CD Cover: LeAnn Rimes - Lady & Gentlemen
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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Elf lange Jahre ist es her, da landete LeAnn Rimes ihren grĂ¶ĂŸten Hit in Deutschland. Richtig ruhig ist es nach "Can't Fight The Moonlight" um die SĂ€ngerin trotzdem nie geworden - allerdings machte Rimes hierzulande eher mit Schlagzeilen in der Boulevard-Presse auf sich aufmerksam. Anfang 2011 hat die SĂ€ngerin wieder geheiratet und meldet sich jetzt - immerhin vier Jahre nach dem letzten Output "Family" - wieder mit neuer Musik zurĂŒck.

Streng genommen ist der ĂŒberwiegende Teil der Songs auf "Lady & Gentlemen" allerdings schon etwas in die Jahre gekommen, was allerdings nicht stört. Denn Rimes hat ihre PlĂ€ne, ein Album mit neuen und eigenen Songs zu veröffentlichen, erst einmal auf den Sommer 2012 verschoben und beschert ihrer Fangemeinde statt dessen eine Auswahl an echten Country-Klassikern, die sie in enger Zusammenarbeit mit Vince Gill aufgenommen hat.
Nach der Compilation aus Kinder- Àh Jugendtagen "Unchained Melody" (1997) und dem beeindruckenden "LeAnn Rimes" (1999) nun also bereits das dritte Werk, bei dem sich die 29-JÀhrige musikalisch vor den Helden der Jugend verneigt. Und das - soviel sei verraten - gelingt ihr mit der neuen CD wirklich gut.

Darauf springt LeAnn Rimes bei ihrer Songauswahl emsig durch die Jahrzehnte. So entstand der Song "Swingin'" 1982. Als das StĂŒck im folgenden Jahr zu einem No.1-Hit fĂŒr John Anderson avancierte, war die gute Rimes gerade einmal ein Jahr alt. Offensichtlich hat sie damals schon gut zugehört, denn ihre mitreißende und swingende Neuinterpretation stellt die im Vergleich dazu schon etwas angestaubt klingende Vorlage schon ein wenig in den Schatten.

Doch LeAnn Rimes hat hier nicht vor, die Songs weit vom Original entfernt neu zu platzieren. Vielmehr setzt sie den Kompositionen mit ihrer klaren Stimme einfach einen ganz persönlichen Stempel auf. "The Only Mama That'll Walk The Line", das man von Linda Ronstadt vor allem aber von Waylon Jennings in der "Daddy"-Version kennt, profitiert von dem typischen Twang in Rimes' Stimme - so bereitet der Klassiker neuen Spaß!

"A Good Hearted Woman" von Waylon Jennings und Willie Nelson ist ein weiterer Genre-Evergreen - hier lassen neben der Power von LeAnn Rimes auch die ineinander ĂŒbergehenden Soli von E-Gitarre und Pedal Steel Guitar jedem Traditionalisten das Herz schneller schlagen. Seltsam nur, dass man im Booklett nicht finden kann, wer hier die Instrumente bedient hat.

"Rose Colored Glasses" ist eine etwas weniger populĂ€re Country-Nummer - Craig Morgan prĂ€sentierte den Song vor einigen Jahren bei seiner EinfĂŒhrung als Mitglied in die Grand Ole Opry zusammen mit dem Autor und SĂ€nger John Conlee. Rimes ist nun eine der Ersten, die sich als SĂ€ngerin der Nummer von 1976 annimmt und sich auch dabei keine BlĂ¶ĂŸe gibt.

Das Rimes problemlos auch in anderen Bereichen bestehen kann, zeigt "16 Tons" aus der Feder von Merle Travis. Das StĂŒck ĂŒber die Arbeitsbedingungen im amerikanischen Bergbau vergangener Tage wurde Mitte der 50-er Jahre fĂŒr Tennessee Ernie Ford zu einem Erfolg. Im Umfeld von Slap-Bass und BlĂ€sern behauptet sich die krĂ€ftige Stimme der Grammy-Gewinnerin einmal mehr.

Bei der ĂŒppigen Auswahl an ruhigeren Nummern covert die SĂ€ngerin aus Mississippi mit "Blue" ihren ersten eigenen Hit, der in der 2011-er Fassung keine großen Unterschiede offenbart, nur dass sie hier von der Western Swing Band "The Time Jumpers" musikalisch unterstĂŒtzt wird. Auf ein nettes Piano-Arrangement ist "Help Me Through The Night" aufgebaut,neue Aspekte kann man der Nummer von Kris Kristofferson damit allerdings nicht abgewinnen, jedoch glĂ€nzt LeAnn Rimes wieder mit ihrer ganz besonderen Stimme. Schon zu oft gecovert wurde dazu auch "He Stopped Loving Her Today"; trotzdem ist die liebevolle Adaption von Rimes hörenswert.

Mit "The Bottle Let Me Down" legt Rimes die vielleicht beste Neuinterpretation der CD vor. Man hat das GefĂŒhl, in einer verqualmten Honkytonk-Bar zu sitzen und einer SĂ€ngerin zu lauschen, die gerade eine traurige, aber wahre Geschichte aus ihrem Leben vortrĂ€gt. Langsamer als die Version von Emmylou Harris oder das Original von Merle Haggard - dafĂŒr aber sehr atmosphĂ€risch, intensiv und packend.

Zwei Bonus-Tracks - darunter auch die aktuelle, warmherzige Single "Give" - runden das gelungene Werk ab.

Fazit: Ein Album mit durchweg von MĂ€nnern geschriebenen Songs zu einem eigenen Werk zu machen, zeugt von viel Selbstbewusstsein. LeAnn Rimes zeigt, dass sie immer noch ein großes Herz fĂŒr Countrymusic hat, und schafft es, durch ihre starke Stimme, selbst einen (neuen) Klassiker des Genres vorzulegen.

LeAnn Rimes
Label: Curb (Warner) VÖ: 11. November 2011

  • Titelliste


01 Swingin' 08 A Good Hearted Woman
02 Wasted Days And Wasted Nights 09 When I Call Your Name
03 The Only Mama That'll Walk The Line 10 He Stopped Loving Her Today
04 I Can't Be Myself 11 Blue (mit The Time Jumpers)
05 16 Tons 12 The Bottle Let Me Down
06 Help Me Make It Through The Night 13 Crazy Women (Bonus Track)
07 Rose Colored Glasses 14 Give (Bonus Track)

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