CD Cover: George McAnthony - Dust Off My Boots
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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Der Knabe der auf dem Cover so herrlich im Wildwest-Outfit posiert - Stetson, Resonatorgitarre, Fransen-Weste inklusive - und sich lĂ€ssig den Staub von seinen Cowboystiefeln klopft ist George McAnthony. So heißt er bestimmt nicht laut Geburtsurkunde. Schließlich erblickte dieser Westmann im SĂŒdtiroler Eppan 1966 das Licht der Welt. Also: ein Italiener und Countrymusic? Aber certo! Immerhin gehen auf das Konto unserer sĂŒdlĂ€ndischen Nachbarn Wildwest-Ikonen wie Django, Nobody und Epen wie "Spiel mir das Lied vom Tod". Das Volk vom Mittelmeer hat also nicht nur fĂŒr schöne Autos, gute KĂŒche und sansoweiche Amore-Musik ein glĂŒckliches HĂ€ndchen - es hat zweifellos auch den Spirit von Country & Western inhaliert.

Im Besonderen gilt dies fĂŒr den seit Ende der 80er Jahre als Profimusiker arbeitenden George McAnthony. Seine, passend zum Covermotiv betitelte CD "Dust Off My Boots" ist bereits sein 14. Album. Und 14 neue, selbstgeschriebene Titel - plus die Coverversionen "Mexico" und "Pay Me My Money Down" als Bonustracks - weisen ihn als Countrymusiker von echtem Schrot und Korn aus. Mehr noch: Seine von ihm selbst produzierte und in Nashville mit den Stars der Studioszene eingespielte CD ist absolut konkurrenzfĂ€hig. Sein Sound klingt glatt noch weniger nach SĂŒdtirol als sein KĂŒnstlername.

Sicher, gesanglich fehlt im die Coolness eines Tim McGraw oder der bestimmte Twang der Altmeister. Aber er schlĂ€gt sich in den ausnahmslos englisch gesungenen Titeln wacker. Wer Italo-Englisch Ă  la "ei wanna kiiiess se görl" erwartet, wird (positiv) enttĂ€uscht. Das ist souverĂ€nes, nahezu akzentfreies Englisch. In den Songs zeichnet er ein, zugegeben, etwas verklĂ€rtes Bild von Freiheit, Natur, Abenteuer, Liebe und Freundschaft. Klarer Fall: ein Romantiker. Musikalisch besinnt sich der SĂŒdtiroler Cowboy beim sehr klassischen, sehr traditionellen Country & Western-Sound. Viele der Titel könnte man wegen ihrer schnörkellosen und völlig unhippen Arrangements in den 70er Jahren verorten.

Doch George McAnthony hat mehr zu bieten, als Anachronismus und eine SchwĂ€che fĂŒr Nostalgie. Er versteht es, simple, aber höchst eingĂ€ngige und dazu sehr emotionale Songs zu verfassen. Manchmal orientiert er sich dabei am Bluegrass ("Steve The Hawk", der Opener), öfters mal am Rock 'n' Roll ("Still That Boy", "Turn Me Lose"); bei dem im flotten Jazzbesen-Groove angetriebenen "Horseman" standen eindeutig die Dire Straits Pate und beim verhaltenen, etwas dĂŒster rockigen "Who Feels The Way" denkt man an Bon Jovi wĂ€hrend ihrer raren Countrymomente. FĂŒr "Change Rhythm" - das war leicht - hat er sich nicht nur vom Titel her unverkennbar von Johnny Cash' "Get Rhyhtm" die Inspiration geholt. Etwas ruhiger, folklastiger, vielleicht sogar etwas esoterisch geht der Italo-Westmann bei dem keltisch angehauchten "Irish Sunrise" und der prĂ€chtigen Ballade "Hold Me" zu Werke. Man sieht: George McAnthonys musikalischer Claim ist weit und vielfĂ€ltig abgesteckt.

Und grandios kompetent umgesetzt. Immerhin buchte er fĂŒr die Sessions die Hilltop Studios in Nashville - und dazu das A-Team der Session-Szene. Darunter: Paul Franklin (Pedal Steel, Dobro), Owen Hale (Drums), Rob Hajacos (Fiddle) und Brent Mason (Gitarre). Gerade Letzterer zeigt auf der CD des italienischen Ragazzo wundervolle Spielfreude.

Fazit: Die Italiener haben Country im Blut - das beweist der SĂŒdtiroler George McAnthony eindrucksvoll mit seiner 14. CD. Aufgenommen in Nashville, mit der CrĂšme der Szene.

Label: George McAnthony (Eigenvertrieb) VÖ: 17. Juni 2010

  • Titelliste CD


01 Steve The Hawk 09 Show Me The Way
02 Dust Off My Boots 10 Change Rhythm
03 Horseman 11 Irish Sunrise
04 Still That Boy 12 Hold Me
05 Who Feels This Way 13 Fly Little Bird
06 Country Gypsy 14 Nashville Calling
07 Reach For The Moon 15 Mexico Medley: Mexico / Pay Me My Money Down
08 Turn Me Loose

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