
Billy Currington ist in Rincon in Georgia aufgewachsen, etwa 30 Minuten von Savannah entfernt. Jedes Mal, wenn er wieder zurück nach Hause kommt, sieht er mehr geteerte Straßen.
"Für mich war es immer eine Kleinstadt", meint er, "aber mittlerweile wächst sie langsam. Es gibt hier viel Wald, deshalb hat man in Rincon eine Papierfabrik gebaut und dadurch viele Jobs geschaffen. Viele Leute konnten sich dadurch ein Haus bauen, was wiederum dazu geführt hat, dass all die unbefestigten Straßen geteert wurden. Das hat Rincon verändert. Die Stadt ist nicht mehr so, wie ich sie früher einmal kannte."
Billy Curringtons Musik weckt zwar oft Erinnerungen an eine Zeit, in der das Leben einfacher schien, sein eigenes Leben war jedoch beileibe kein Zuckerschlecken. Als Billy anderthalb Jahre alt war, heiratete seine Mutter einen Mann namens Larry Currington. In den nächsten Jahren erlebte der Junge, in welche Abgründe eine Familie durch Alkoholmissbrauch stürzen kann. "Er betrank sich und wurde dann etwas übermütig", erinnert sich Currington. "Schließlich starb er an seiner Sucht und am Krebs."
Nichtsdestotrotz war es Larry Currington, der Billy mit Country in Berührung brachte.
"Er hörte Willie Nelson, Waylon Jennings, die Statler Brothers, Kenny Rogers, all die bekannten Namen. Ich liebte die Musik und legte sie selbst auf, wenn er nicht da war", erzählt Currington. "Ganz toll fand ich Alabama. Einmal nahm ich ein Radio mit ins Badezimmer und versuchte, wie Randy Owen zu singen. In der Highschool wollte ich dann unbedingt Sänger werden. Etwa in der neunten oder zehnten Klasse entdeckte ich Keith Whitley. Ich kaufte mir seine Musik, sang seine Songs und versuchte dabei, seinen Gesangsstil zu imitieren. Natürlich kam auch irgendwann George Strait ins Spiel, dem ich ebenfalls nachzueifern versuchte."
Die herzerweichende Debütsingle "Walk A Little Straighter" erzählt die Geschichte eines Jungen, dessen Vater alkoholisiert durch die Tür stolpert. Der Junge schwört, nicht die Fehler seines Vaters zu wiederholen, wenn er selbst einmal Kinder haben sollte. Den Chorus schrieb Currington mit zwölf.
"Ich habe schon immer Songs geschrieben. In meiner Jugend habe ich schon halb fertige Stücke verworfen, wenn ich merkte, dass ich nicht mehr weiterkam. Ich habe damals nie gedacht 'Ich ziehe jetzt nach Nashville, um Songwriter zu werden.' Das war nie mein Ding, ich habe aber jedes Jahr irgendetwas geschrieben.
"Im weiteren Verlauf der Highschool wurde Currington von einer Klassenkameradin in die Kirche ihres Vaters eingeladen. Von der Musik, die er dort hörte - eine Mischung aus Gospel und Country - war er so fasziniert, dass er dem Prediger gratulierte. Auf dessen Bitten trat Currington am nächsten Sonntag selbst in der Kirche auf. Nun seinerseits beeindruckt von dem, was er zu hören bekam, fuhr der Prediger mit Currington nach Nashville, um ihn im Themenpark Opryland USA vorsingen zu lassen.
"Es blieb zwar beim Versuch, aber das kümmerte mich nicht, denn im letzten Highschool-Jahr wusste bereits, dass ich nach Nashville zurückkehren würde."
Nach der Highschool arbeitete Currington kurz in der erwähnten Papierfabrik, bis er den Job nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten kurzerhand hinschmiss. Da sein Auto in der Werkstatt war, rief er seine Großmutter an und bat sie, ihn abzuholen.
"Ich sagte 'Komm, hol' mich ab. Ich ziehe weg. Noch dieses Wochenende'. Auf dem Weg nach Hause sprachen wir die Sache durch. Ich wollte nach Nashville, noch am gleichen Wochenende, und so kam es dann auch. Ich holte mein Auto und packte ein Paar Kleidungsstücke, meine Stereoanlage und meine Kassetten ein. Ich wusste zwar noch nicht, wo ich bleiben würde, aber ich wollte auf jeden Fall weg."
Sein erster Aufenthalt in Nashville dauerte noch nicht einmal ein Jahr. Currington arbeitete in dieser Zeit in einer Pfandleihe. Schließlich zog er zu seiner Großmutter zurück und stieg bei einer lokalen Country-Band ein. Nachdem sie acht Monate in der Cavalier Lounge aufgetreten waren, beschloss er, es noch einmal in Nashville zu versuchen. Bald fand er eine lukrative Stelle in einer Betonfabrik - 16 Stunden Arbeit pro Tag, 6 Tage pro Woche - und spielte in lokalen Clubs. Für jemanden, der in eher ärmlichen Verhältnissen groß geworden war, verdiente er jetzt zwar eine Menge Geld, die monatlichen Gehaltsschecks befriedigten ihn jedoch nicht wirklich.
Auf Empfehlung einiger befreundeter Songwriter bekam Currington einen Teilzeitjob als Personal Trainer in einem Fitness-Studio. In der verbleibenden Zeit schrieb er Songs und sang. Eines Tages kam ein Stammkunde mit einer BMI-Mütze ins Studio. Currington erfuhr, dass er in einem Musikverlag arbeitete und wurde von ihm im weiteren Verlauf zu einem Vorsingen eingeladen. Ein paar Tage später bat ihn ein leitender Mitarbeiter des Verlags, auf einem Demo zu singen.
Curringtons voller Country-Bariton verschaffte ihm weitere Engagements für Demobänder. Schließlich stellte ihn der Musikverlag als Songwriter an. Unglücklicherweise konnte er jedoch nur einen Song unterbringen, und ein Development Deal mit einem anderen Label kam nicht zu Stande. Sein Vertrag wurde nicht verlängert.
Allerdings hatte Country-Sänger Mark Wills Gefallen an einem Song gefunden, der von Currington mitgeschrieben worden war. Einige Wochen später lief er Wills' Produzent Carson Chamberlain über den Weg. Sie beschlossen, zusammen Songs zu schreiben und ein paar Demos aufzunehmen. Chamberlain legte diese Demos Luke Lewis von Mercury vor, der sehr angetan war und Currington unter Vertrag nahm. Sein erstes Album wurde von Chamberlain produziert.
Wie jeder Newcomer hofft zwar auch Currington auf eine lang andauernde Karriere, seine unmittelbaren Ziele haben mit Musik jedoch nichts zu tun.
"Zuallererst möchte ich meiner Großmutter ein Holzhaus bauen", sagt er ohne Zögern. "Wir haben unser ganzes Leben in einem Trailer gewohnt. Und ein solches Haus hat sie sich schon immer gewünscht, konnte es sich aber einfach nicht leisten.... Egal, wo sie es haben will, ich stelle ihr eins hin."
Kein überraschendes Bekenntnis für jemanden, der seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen nicht vergessen hat.
"Im Vergleich zu Georgia ist das Leben in der Stadt etwas völlig anderes", meint Currington. "Unsere Parties am Freitagabend fanden nicht bei irgendjemandem zu Hause statt, sondern irgendwo auf einem Feld, mit Lagerfeuer. Wir hatten Trucks mit lauten Anlagen und Bierfässchen hinten drauf. Das war damals mein Leben. Ich angelte und jagte viel, war hinter Alligatoren her. Alles war friedlicher. Ich mag aber auch das Leben in der Stadt, habe gelernt, mich anzupassen. An die unbefestigten Straßen erinnere ich mich aber immer noch gerne."
In Deutschland feierte Currington sein Debüt beim ZDF in "Wetten Dass...?!" am 2. Oktober 2004 zusammen mit Shania Twain.
2005 ging es mit dem Album "Doin' Something Right" so richtig aufwärts und sowohl der Titelsong des Albums, wie auch "Good Directions" landeten auf Platz 1 der Charts.
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