Mary Sarah & Friends - Bridges


Dierks bentley & Patty GriffinDuette waren schon immer sehr beliebt in der Country Music, und bei den meisten großen Sängern, wie z.B. Kitty Wells und Red Foley mit ihrem Smash-Hit von 1954 "One by One" oder bei Taylor Swift und Colbie Caillat, die "Breathe" gemeinsam aufnahmen, wirkte es immer sehr leicht.

Es steckt jedoch eine Menge Überlegung und Planung dahinter, zwei einzelne Künstler zusammen zu bringen und im Duett aufzunehmen, besonders dann, wenn diese Künstler bei verschiedenen Plattenlabels unter Vertrag stehen. Alles, angefangen bei den Songs die gesungen werden sollen, über die Tonart, bis hin zu den Verhandlungen mit den Plattenfirmen über die Vermarktung der Single, muss im einzelnen vorab geklärt werden.

Ein seltener Glückstreffer einer solchen Zusammenarbeit zweier Labels war "Bare Skin Rug", ein Gemeinschaftswerk von Blake Shelton und Miranda Lambert, aus Sheltons Album, "Startin' Fires". "Die beiden wollten das Stück genau so vortragen, wie es entstanden ist, nämlich an einem Lagerfeuer" sagt Produzent Scott Hendricks, Senior VP von A&R, Warner Music Nashville. "Ich habe eine Farm mit Feuerstelle, an der schon eine ganze Menge Akustikshows stattgefunden haben. Ich fand die Idee großartig, das gesamte Blake-Team hierher einzuladen, also sein Label, sein Management und seine Agentur, um im Rahmen einer großen Barbeque-Party/Aufnahmesession den Song genau in der Stimmung aufzunehmen, in der er ursprünglich entstanden ist."

Miranda Richards & Blake Shelton

"Es war ein unglaublich stimmungsvoller Abend, in dessen Mittelpunkt das anderthalbstündige Konzert stand, bei dem Miranda praktisch zu jedem der Songs die Begleitstimme sang. Das Zirpen der Grillen, das man in der Aufnahme hört, ist absolut echt. Es klingt genau so, wie an dem Abend auf meiner Farm am Lagerfeuer."

Die Tatsache, dass Shelton und Lambert, die bei Columbia Nashville unter Vertrag steht, seit 2006 eng befreundet sind, hat die Zusammenarbeit bei diesem Projekt natürlich sehr erleichtert. Genauso organisch lief es ab beim Remake der Hit-Single "My Home's in Alabama" des BBR-Künstlers Jason Aldean. Dieser Titel wurde im Duett mit Randy Owen, dem Leadsänger der Gruppe Alabama, aufgenommen und ist nur als Bonus-Download beim Kauf von Aldeans CD "Wide Open" bei Wal-Mart zu haben.

"Ich wollte schon immer einen der Alabama-Songs aufnehmen und habe es deshalb einfach einmal angesprochen" sagt Aldean. "Zu dem Zeitpunkt hatte Randy gerade seinen Vertrag mit Broken Bow unterschrieben. Dann erfuhr ich, dass der Chef des Labels (Benny Brown, BBR Präsident/Geschäftsführer) mit ihm darüber gesprochen hatte und dieser dem Projekt sehr positiv gegenüber stand."

"Für mich klang das sehr interessant, mal wieder einen der Songs aufzunehmen, mit dem Alabama seine Karriere begann und diesen Song mit jemandem zu singen, der ganz und gar darin aufgeht" meint Owen. "Wäre dieses Projekt von der Plattengesellschaft oder dem Manager angeleiert worden, Ich glaube nicht, dass ich es dann gemacht hätte, es sei denn, irgendwelche Vertragsbedingungen hätten mich dazu gezwungen."

Aldean hatte keine Eigeninterpretation im Sinn, sondern probte mit seiner Band das Stück so originalgetreu wie möglich, bevor sie es aufnahmen. "Wir spielten es Lick für Lick nach, genau wie die es gespielt hatten, bis hin zum Gitarrenklang" erzählt er.

Diese Herangehensweise war für den Produzenten Michael Knox eine ganz neue Herausforderung. "Ich musste mit meinem Toningenieur alte Klänge und Elemente aus den Siebzigern wiederfinden" erzählt er. "Wir mussten den Klang der damaligen Saiten imitieren und unterlegten den Song mit einem Original-Snare-Sample aus dieser Zeit. Zum Schneiden dieses Duetts haben wir vermutlich mehr Zeit gebraucht als für irgend einen anderen Song dieses Albums."

Hommage oder nicht, Knox bestand bei der aktualisierten Version von "My Home's in Alabama" trotzdem darauf, dass der Song als Interpretation von Aldean erkennbar blieb, weshalb er ihn den größten Teil des Songs singen ließ. "Das Wichtigste war, die richtige Stelle für Randy zu finden" erklärt er. Es stellte sich heraus, dass die zweite Strophe dafür am besten geeignet war, denn diese ist für Owen eindeutig die "persönlichste".

Er ging auf die gleiche Weise vor, als Aldean und Lambert den Song "Grown Woman" für Aldeans vorheriges Album "Relentless" aufnahmen. "Wir mussten eine geeignete Stelle finden, an der Mirandas Stimme zu erkennen ist, eine Stelle, wo Jason nicht zu tief und Miranda nicht zu hoch singt" erinnert sich Knox.
Manchmal jedoch bedeutet das Mischen zweier Stimmen in einer Aufnahme, dass von Strophe zu Strophe die Tonart zu wechseln ist, manchmal sogar die Melodie etwas angepasst werden muss, wie zum Beispiel bei "Beautiful World", einem Titel von Dierks Bentley auf dem bei Capitol Records Nashville aufgenommenen Album "Feel That Fire" mit Patty Griffin von Credential Records als Gastsängerin.

"Die Tonart blieb durchgehend die gleiche", sagt Produzent Brett Beavers, der als Ko-Autor zusammen mit Jim Beavers and Bentley den Song schrieb. "Aber wir änderten einige Melodielinien, um sie für Patty als Leadsängerin zu optimieren. Wir wollten sie nicht zum Sklaven der Originalmelodie machen. Ja, wir wollten, dass sie eigene Ideen einbringt, denn sie hat so eine Stimme, die, wenn sie an der richtigen Stelle auf die richtige Weise eingesetzt wird, den Song echt rüberbringt."

Jason Aldean & Randy Owen

Bentley hatte "Beautiful World" bereits 2008 mit voller Orchesterbegleitung und der norwegischen Popsängerin Marit Larsen als Duettpartnerin beim Konzert anlässlich der Verleihung des Friedens-Nobelpreises in Oslo, Norwegen, gesungen. Und damals wie heute ging es ihm darum, die Botschaft dieses Songs rüberzubringen, nämlich die, dass unser Planet großen Problemen gegenübersteht, aber dennoch seine Schönheit überwältigend ist.
"Pattys Stimme gab den Texten mehr Gewicht", sagt Bentley, der gern zugibt, dass er schon immer gern mit Griffin auf einem seiner Alben gesungen hätte. "Sie ist es, die den Songs diese Erdverbundenheit und dieses Gewicht gibt, was sonst nicht da wäre, wenn ich alleine singe. Ich kann mir den Song überhaupt nicht ohne ihre Stimme darauf vorstellen."

Die Geschichten hinter "Beautiful World" und "My Home's in Alabama" zeigen, dass Duette oft eher durch künstlerische als durch geschäftliche Überlegungen zustande kommen, obwohl dies nicht unbedingt immer so sein muss. "Duette machen einfach Spaß", gibt Beavers zu. "Manchmal brauchen neue Künstler sie, um zu Beginn ihrer Karriere in den Charts nach oben zu kommen. Manche mühen sich jahrelang ab, und sobald sie ein Duett machen, sind sie plötzlich in den Top 20."
Diese Art von Anschub brauchten allerdings weder Aldean noch Bentley. Aber wie auch immer, das Zusammengehen mit einem etablierten Künstler kann den Status von Musikern, die erst noch Reputation aufbauen müssen, durchaus anheben. Dies war speziell bei Owen und Aldean der Fall, dessen Bewunderung klar erkennbar war, als er seinen älteren Labelkollegen in einer Sondersendung des bei GAC ausgestrahlten Interviewprogramms "One to One" interviewte. "Die Jungen erhöhen ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie die Älteren einbeziehen" sagt Knox. "Jason wuchs mit Randys Musik auf. 'My Home's in Alabama' ist der allererste Song, den er spielen lernte."

Dieses quid pro quo kann in beide Richtungen wirken und der Karriere erfahrener Bühnenkünstler - selbst wenn sie wie Owen bereits in der Country Music Hall of Fame verewigt sind - einen neuen Schub geben. "Für das Label war das schon irgendwie cool", sagt Aldean über sein Gemeinschaftsprojekt mit Owen. "Randy ist zwar schon lange etabliert, aber was seine Soloauftritte betrifft, ist dies hier ganz neues Terrain für ihn."

Duette kommen auch immer besser bei der Gestaltung von Preisverleihungen an. "Ich hätte wirklich sehr gerne 'Beautiful World' bei der diesjährigen Grammy-Verleihung gesungen", sagt Dierks Bentley, der in der Kategorie 'Best Country Collaboration with Vocals' nominiert war. "Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Leute zu mir kamen, um über diesen Song zu sprechen. Es ist ein sehr starker Song, mit diesen beiden Stimmen. Es sind nicht einfach zwei Sänger, nein, wir bringen zwei Welten zusammen."