in den ChartsDas amerikanische Musikbranchen-Magazin Billboard versorgt seit Ende des 19. Jahrhunderts die Unterhaltungsbranche mit relevanten Informationen. Wichtigster Gradmesser: die Billboard-Charts. Zum Jahresausklang von 2009 haben die Musikexperten die Musikszene des neuen Jahrtausends unter die Lupe genommen – und dabei auch die Top-Acts und –Songs des Country gekürt.

Wer hätte das geglaubt: Die professionelle Musikbranche reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1894, um genau zu sein, gründeten die beiden Amerikaner Wiliam H. Donaldson und James H. Hennegan das erste, wöchentlich erscheinende Musikmagazin "Billboard". Bis heute ist das Fachblatt die wichtigste Zeitschrift und Informationsplattform der gesamten Entertainmentbranche. Die Macher des Billboard waren es auch, die erstmals die meist verkauften Tonträger in Charts präsentierten. Nicht immer aber waren ihre Hitparaden so objektiv wie sie es heute sind: Denn erst Anfang der 1990er Jahre stellten die Charts-Macher ihre Ermittlungen auf tatsächlich erzielte Verkäufe um. Vorher mutmaßten die Tonträgerverkäufer, was denn so am besten über die Ladentheken gegangen sei – und Country-Alben nannten die Verkäufer eher selten. Viel zu selten, wie man dann einsehen musste, als jeder Verkauf gescannt wurde und in die Chartsermittlung einfloss. Jawoll, großes Augenreiben war angesagt, als klar wurde, welchen enormen Marktanteil Country im Gesamttonträngerumsatz besitzt. Gallionsfigur des neuen Selbstbewusstseins in XL war ein gewisser Garth Brooks. Der Rest ist Geschichte...

...die sich jetzt im neuen Jahrtausend fort schreibt. Auch wenn sich Garth Brooks größtenteils auf sein Rentner- und Familiendasein besinnt und nur selten von sich hören und sehen macht, ist Country alles andere als eine Musiknische. Das Genre ist eine Macht. Das beweist die jetzt von Billboard ermittelte Zwischenbilanz der Jahre 2000 – 2009. In den Top-200-Alben (alle Genre) der Dekade finden sich immerhin Werke einiger Countryacts. Am besten schnitt ausgerechnet eine Newcomerin ab: Carrie Underwood mit ihrer CD "Some Hearts" landete auf dem stattlichen 14. Platz. Auf Platz 20 kam der mehrfach Grammy-gekrönte Soundtrack zu "O Brother, Where Art Thou?" – gefolgt von den Dixie Chicks ("Fly" kam auf Platz 25, "Home" auf Rang 28). Shania Twain rangiert mit "Up!" auf Platz 35.

Carrie UnderwoodKlar sind dergleichen Statistiken nicht jedermanns Sache. Andererseits befördern sie so manche Wahrheit zu Tage. Erstaunliches mitunter. Zum Beispiel wird an dieser Auflistung deutlich, dass es vor allem die Country-Damen sind, die kommerziell fest im Sattel sitzen. Denn neben Underwood, Twain und den Dixie Chicks landete auch noch Taylor Swift mit ihren zwei Alben im vorderen Mittelfeld (Platz 53 und 56). Von den jungen Wilden (Herren) konnten nur Rascal Flatts mit "Me And My Gang" ähnlich gut abschneiden (Platz 50). Und was ist mit Toby Keith, Kenny Chesney, Tim McGraw, Keith Urban oder Alan Jackson? Sie alle sind, teilweise mit mehreren Alben, irgendwo zwischen Platz 60 und 100 angesiedelt.

Die braven Billboard-Statistiker haben noch weitere Datenbanken bemüht. Zum Beispiel haben sie die besten Songs, Künstler und die am besten verdienenden Live-Acts ermittelt. Merkwürdigerweise gibt es da offenbar einige Diskrepanzen. So tauchen unter den besten 100 Songs erstaunlicherweise nur zwei Titel auf: "Breathe" von Faith Hill auf Platz 27 und "Love Story" von Taylor Swift auf Platz 73. Die Herren gehen leer aus. Aber auch die Damen, als nach den besten Künstlern des neuen Jahrtausend geforscht wurde: Kein Country-Act ist hier unter den Top-100 gelistet. Das ist nicht nur eine kleine Frechheit – das entspricht wohl auch nicht ganz dem Geschmack amerikanischer Musikfreunde. Denn als die Billboard-Redakteure nach den Acts mit den meistverkauften Tour-Tickets forschten, landeten Country-Stars wieder weit vorne: Kenny Chesney kam auf Platz acht, die Eagles auf Platz zwölf, gefolgt von Tim McGraw. Auf Platz 20, 22 und 24 kamen nacheinander Rascal Flatts, Jimmy Buffett und Toby Keith. Na also ...

Keith UrbanNatürlich haben die Billboard-Macher für jedes Genre auch eine extra Decade-End-Chart aufgestellt. Hier gibt es eine Überraschung: Die Adult Contemporary Artists-Hitparade führt Faith Hill an. Vor Celine Dion, den Backstreet Boys und Acts wie Michael Bublé und Phil Collins. Die Top-10 im Country dominieren erneut die Ladies: Carrie Underwood auf Platz eins, die Dixie Chicks, Faith Hill und Taylor Swift sind teilweise mit zwei Alben dabei. Mit in die Elite einschleichen konnten sich nur der "O Brother ..."-Soundtrack (Platz zwei) und auf Platz sieben und acht die zwei Alben von Rascal Flatts.

Ungläubiges Kopfschütteln ist allerdings die Folge, wenn der informationsbeflissene Countryfreund die Charts der Country-Songs des jungen Jahrtausends beäugt: Nix da mit Ladies, mit Faith, Taylor, Shania & Co – hier geben ganz klar die Herren den Ton an: Keith Urban führt die illustre Runde mit "Somebody Like You" an, gefolgt von Songs des Who-is-Who der Country-Männer: Mark Wills, Alan Jackson & Jimmy Buffett, Toby Keith, Kenny Chesney, Brooks & Dunn und Tim McGraw. Carrie Underwood rangiert als erste Sängerin mit "Before He Cheats" auf dem bescheidenen Platz 14. Verkehrte Welt, möchte man sagen. Vielleicht aber interessieren sich die Billboard-Redakteuere dann doch nicht soooo sehr für Country. Könnte man glauben, wenn man sich die US-Seiten etwas genauer ansieht. Hier haben sie fälschlicherweise ein Bild von Alan Jackson für Chad Brock genommen und Tim McGraw verwechselten sie glatt mit den vier Jungs (!) von Lonestar.

Wiliam H. Donaldson und James H. Hennegan würden sich im Grabe umdrehen...

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