Willie Nelson - December Day


CD Cover: Lyle Lovett - Natural Forces
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RedaktionswertungBewertung: 3 Sterne = ok
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Ein Jahr nach dem üppigen Big-Band-Album "It’s Not Big, It’s Large" schlägt Lyle Lovett auf "Natural Forces" wieder ruhigere Töne an. Seine stärksten Momente hat das Album immer dann, wenn Lyle Lovett, wie schon auf der Doppel-CD "Step Inside This House" von 1998, andere Songwriter interpretiert, darunter seinen unsterblichen, texanischen Landsmann Townes Van Zandt. Gleich die Hälfte der neuen Platte besteht aus Coverversionen, und das ist gut so. Denn Lovetts eigenen Kompositionen sind diesmal relativ flach und belanglos.

Die flotte "Danz op de Deel"-Nummer "Pantry" hebt zwar die Laune und wurde von Lovett und seiner Begleitband, die auch das Album eingespielt hat, auf der Live-Tour Anfang 2009 erfolgreich aufgetischt. Doch so bahnbrechend, dass sie gleich zweimal (in recht ähnlichen Versionen) auf das Album gemusst hätte, ist sie auch nicht. Sogar Lovetts Partykracher "Farmer John/Chicken Reel" (ein bearbeiteter Traditional) und der sarkastische Countryrock "It’s Rock’n’Roll", den er zusammen mit Robert Earl Keen schrieb, funktionieren live sicher prächtig. Aber spätestens beim dritten Durchlauf des Albums klickt man sie weiter. Zu albern, zu konventionell.

Da ist das Titelstück "Natural Forces", eine kritische Americana-Ballade, schon von anderem Kaliber. Die mit 5:40 Minuten elegische Nummer wächst mit jedem Hören beständig. Mit den bittersüßen Lyrics und dem schlanken Arrangement des Akustikblues’ "Empty Blue Shoes" taucht Lovett dann einmal mehr in nostalgisches Highway-Sentiment. Doch das war es auch schon mit den Eigenkompositionen. Die restlichen sechs Songs sind Gitarrennummern fremder Feder, allesamt besinnlich melancholisch (bis auf das bissige "Bohemia" von Tommy Elskes).

Eric Taylors "Whooping Crane", eine symbolische Sinnsuche nach dem Schreikranich, entfaltet ihren Zauber mit zaghaftem Flügelschlag, und Don Sanders Kindheitserinnerung "Bayou Song" beschwört die Geheimnisse dunkler, langsamer Südstaatengewässer. Alles Songs, die sehr gut zu Lovetts melancholischer, stets etwas gepresst klingender Stimme passen. Ebenso wie David Balls Love-Song "Don’t You Think I Feel It Too" und Vince Bells "Sun and Moon and Stars", beide mit trauriger Fiddle und herzzerreißender Pedal-Steel reine Tränenzieher. Wenn dann gleich im Anschluss das Piano die ersten Töne von Townes Van Zandts "Loretta" anklingen lässt, wenig später die Fiddle einsetzt und das Barroom-Girl, das nie älter als 22 ist, "dances like a diamond shines", dann hat das Album endlich seinen einsamen Höhepunkt erreicht.

Fazit: "Natural Forces" enthält zwar ein paar klasse Nummern und ist lässig eingespielt, aber für Lyle Lovetts Verhältnisse trotzdem nur guter Durchschnitt. Den gelungenen Coverversionen stehen banale eigene Songs gegenüber.

Label: Curb (Warner)VÖ: 06. November 2009