Emerson DriveWährend es einige Künstler bekanntlich nicht erwarten können, wieder auf Tour zu gehen, musste durch den rapiden Benzinpreisanstieg im letzten Sommer doch rasch reagiert werden, um die Musik am Laufen zu halten. Sogar die ganz großen Stars bekamen die schlechte Lage zu spüren: Ihre Megagagen verhinderten zwar, dass Konzerte der Benzinkrise zu Opfer fielen, aber die Profite wurden durch den Transport des gesamten Trosses von Arena zu Arena doch merklich strapaziert.

Nun zieht der Winter ein, und mit ihm auch die Realität. Musiker, Disponenten, Veranstalter, Veranstaltungsorte und nicht zuletzt die Busunternehmen müssen sich nun damit auseinandersetzen, was die Zukunft bringen wird.

Zum Beispiel die Bandmitglieder. Am Anfang des Sommers freute sich Vinnie Ciesielski auf eine Tournee mit Lyle Lovett and His Large Band, mit denen der Trompeter aus Nashville von 1994 bis 2001 regelmäßig gespielt hatte. "Diese Tourneen waren immer große Klasse", sagte Ciesielski. "Lyle wohnt in tollen Hotels. Die Veranstaltungsorte sind immer gut. Und seine Band ist phänomenal."

Dieses Jahr jedoch ist die Large Band ein wenig kleiner. "Ich hatte Panik", gab er zu. "Der Road Manager und Lyles Manager riefen an und sagten, sie könnten es sich nicht leisten. Für eine Bläsergruppe müsste ein weiterer Bus mitfahren, und das sei einfach nicht drin."

Auch wenn sie auf einen Teil ihres Gepäcks verzichten - Künstler müssen einfach raus in die Welt und die Leute unterhalten, die ihre CDs und T-Shirts kaufen. Deshalb müssen diejenigen, die die Tourneen organisieren, herausfinden, mit welchen Auswirkungen der Benzinkrise in der Wintersaison bei Konzerten in Hallen zu rechnen ist, und wie es dann im nächsten Sommer aussehen wird, wenn die Megatourneen wieder auf dem Kalender stehen.

Benzinpreise-HankWilliams"Es gibt da Bands, die mit 17 Fahrzeugen, LKWs und Bussen unterwegs sind, na ja, so große Megastars zahlen 15.000 bis 20.000 Dollar am Tag nur für Sprit", sagte Joey Lee, Geschäftsführer der 360 Artist Agency, die Miranda Lambert, Neal McCoy, Ashton Shepherd, Clay Walker und Lee Ann Womack zu ihren Kunden zählt. "Natürlich sind diese Superstars nicht so schwer getroffen. Klar, es kostet sie mehr, aber sie machen eine halbe Million Dollar am Tag. Das hindert sie nicht daran, ihren Job zu machen. Es sind viel mehr die Stars, die am Tag nur 5.000 bis 10.000 Dollar verdienen, also entweder die ganz jungen, neuen, oder die älteren Stars, die versuchen, über Wasser zu bleiben. Die sind am härtesten dran."

"Der Manager nimmt 15 Prozent, der Agent 10 Prozent, der Business Manager nimmt weitere 5 Prozent, und dann sind da noch die Kosten für den Bus, den Fahrer, die Hotelzimmer und die Band - da kommt man mit fünf Riesen nicht sehr weit", erklärte Lee.

Die große Anzahl der Sommerfestivals, mit ihrem größeren Publikum und dem Verkauf von Fanartikeln, dämpften die Benzinkrise im Sommer etwas ab. Fans sparen für solche Open-Air-Events und planen ihr Haushaltsgeld so ein, dass sie das nötige Geld für die Fahrt und das Konzert von Kenny Chesney, Faith Hill, Alan Jackson, Tim McGraw, Brad Paisley, Rascal Flatts, George Strait, Carrie Underwood und Keith Urban übrig haben.

Benzinpreise-WillieNelsonBei Einsetzen der Club- und Theatersaison wird es schwieriger, gegen die hohen Benzinpreise anzukommen. "Es ist das sinkende verfügbare Einkommen der Leute, das den Clubkünstlern besonders weh tut", sagte Künstleragent Blake McDaniel aus Nashville, dessen Creative Artists Agency Club- und Theaterveranstaltungen an der Ostküste organisiert. Zu seinen Klienten zählen Keith Anderson, Jason Michael Carroll, Emerson Drive, The Lost Trailers, Trent Tomlinson und Phil Stacey. "Die Leute streichen solche Events aus ihren Kalendern, weil sie ihr verfügbares Einkommen jetzt lieber für Sprit ausgeben als für eine 20-Dollar-Konzertkarte."

Deswegen, so McDaniel, müssen die weniger berühmten Künstler alles tun, um die Eintrittskarten so günstig zu halten, dass die Fans sich nicht völlig abkassiert fühlen, wenn sie sich ein Konzert anhören möchten. "Wir müssen darauf achten, dass ein Club nicht über die 20-Dollar-Marke geht, außer es ist ein Star, bei dem das auch wirklich gerechtfertigt ist", empfahl er. "Es ist besser, wenn das Konzert für 10 oder 15 Dollar pro Eintrittskarte ausverkauft ist, als dass 20 Dollar verlangt werden und das Haus ist nur halbvoll."

Wenn sie die Ausgaben im Griff haben, wird es für diese Künstler auch einfacher sein, die Eintrittspreise möglichst niedrig zu halten. Dies gilt für Megastars genauso wie für Vorgruppen, die vom Einsatz kleinerer LKWs, der Reduzierung ihrer Bühnenausstattung, weniger spektakulären Spezialeffekten und mehr Transport per Busanhänger (unter Beachtung der in den USA geltenden Gewichtsbegrenzungen von knapp 2.270 kg pro Anhänger) durchaus profitieren könnten.

Sam Mitchell, zuständig für die Sicherheit bei Diamond Coach, gab eine Reihe weiterer Tipps, beispielsweise regelmäßige Achskontrollen und die Verwendung synthetischer Schmierstoffe, "durch die weniger Reibung entsteht. Wenn alles sauber und gerade gehalten wird, läuft der Motor besser und Sie kriegen im Vergleich zur Konkurrenz eine oder zwei Meilen mehr pro Gallone heraus. Außerdem arbeiten wir mit Michelin zusammen, um den richtigen Reifendruck für höhere Kilometerleistung bei weniger Benzinverbrauch möglichst wissenschaftlich zu bestimmen." Durch diese Maßnahmen, so Mitchell, fahren die Busse des Unternehmens recht beeindruckende sieben bis acht Meilen pro Gallone (3 bis 6 km pro Liter).

McDaniel von der Agentur CAA fügte hinzu, dass auch Tourneesponsoren immer häufiger gebeten werden könnten, sich an Transportkosten zu beteiligen. Das sei sehr einfach, sagte er, wie wenn "jemand für die Werbung auf dem Bus zahlt oder für die Spritkosten aufkommt." Eine andere Möglichkeit, die Kosten zu senken, seien Tourneen, bei denen sich mehrere Künstler eine Band teilen. "Auf diese Weise sind nur die Ausgaben für eine Band zu tragen, statt für drei, die Tournee kommt mit einem einzigen Bus aus, und das Publikum bekommt für seine Eintrittskarte drei Künstler zu einem günstigen Preis zu sehen."

Die Künstleragenturen können außerdem zur Verringerung der Transportkosten beitragen, indem sie bei der Festlegung von Konzertdaten die zurückzulegenden Strecken im Auge behalten. Bei berühmten Künstlern kann das schwierig sein, weil hier besondere Anforderungen gelten, wie z. B. keine Konzerte am selben Abend in derselben Stadt wie ein anderer Superstar. Künstler mit Clubauftritten sind bei der Zusammenstellung ihrer Tourneen meist flexibler.

"Tourneen müssen intelligenter gebucht werden", betonte Gaylon Moore, Inhaber und Geschäftsführer von Music City Coach. "Das ist schon seit Jahren ein Problem. Wenn man Konzerte entlang einer Linie bucht, so dass nicht im Zickzack und ein Weg mehrfach gefahren werden muss, kann viel unnötige Strecke eingespart werden."

Kürzere Fahrstrecken zwischen den Konzerten haben noch einen weiteren Vorteil: Der Fahrertarif verdoppelt sich häufig, sobald das vertraglich festgelegte Tageslimit überschritten wird - bei USA Bus Charter sind dies beispielsweise 450 Meilen (725 km) pro Tag. Aus diesem Grund und wegen der Bestimmungen des US-Verkehrsministeriums, laut denen die Fahrer nach einer Maximalschicht von zehn Stunden eine Pause von mindestens acht Stunden einlegen müssen, könnte sich ein gelegentlicher freier Abend oder ein Konzert an einem kleineren Veranstaltungsort durchaus lohnen.

Benzinpreise-AnselBrownAuch optionale Ausgaben können reduziert werden. Einige davon sind wirklich gering, aber oft unverzichtbar für die Künstler auf Tournee. Wi-Fi Internet-Anschlüsse und Satelliten-TV kosten meist nur 10 bis 20 Dollar pro Tag, sind aber von entscheidender Bedeutung, wenn Informationen über aufkommende Unwetter oder Verkehrsstaus benötigt werden.

Andererseits kann ein Dieselgenerator einen großen Teil des Budgets verschlingen. Diese Generatoren werden für Extras wie eine präzise Temperaturregelung für verschiedene Teile des Busses eingesetzt. "Ich hatte schon Bands, bei denen dieser Generator während ihrer Tournee wochenlang 24 Stunden am Tag lief," sagte Chiff Huffman, Geschäftsführer der Nitetrain Coach Company und ehemaliger Busfahrer. "Aber bei 50 Cent bis einen Dollar mehr pro Gallone als bei normalem Benzin fängt man schon mal an zu rechnen. Deswegen sollte man immer darauf achten, dass man Busse mit Wechselrichter und Lichtmaschine und anderen Technologien einsetzt, die die Steuerung vom Busmotor aus erlauben."

Was die Musiker betrifft, die von einer großen Tournee wegrationalisiert wurden, so sollten sie dem Beispiel von Trompeter Ciesielski folgen. Nach dem Anruf von Lyle Lovetts Leuten packte er seine Koffer wieder aus und arrangierte Studioaufnahmen in Nashville. "Eigentlich war das genau das Richtige", sagte er. "Ich habe wirklich Glück, dass ich auch von zuhause aus ganz gut verdiene. Und zum ersten Mal seit Jahren kann ich in meinem Garten wieder Tomaten ziehen."

weitere Artikel über  Willie Nelson   Lyle Lovett   Emerson Drive