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RedaktionswertungBewertung: 4 Sterne = gut
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Im Februar stellte Neil Young seine Doku "Crosby, Stills, Nash & Young - Déjà Vu" persönlich auf der diesjährigen Berlinale vor, jetzt kommt sie auch regulär ins Kino. Der Film zeigt die Alt-Star-Band 2006 während ihrer "Freedom of Speech"-Tour durch Nordamerika, die Young aus Protest gegen den Irak-Krieg konzipierte. Young, der den Film unter seinem Dauerpseudonym Bernard Shakey auch inszenierte, ist eine packende Politdoku mit Konzertausschnitten gelungen, deren Eigenlob sich in Grenzen hält und die sogar selbstkritische Töne zulässt.

Living With War
Bereits in den 1960/70er Jahren mischten sich Crosby, Stills, Nash & Young in die Politik ihres Landes ein und wurden mit Protestsongs wie "Ohio" zum Sprachrohr der Vietnamkriegsgegner. Jetzt, vierzig Jahre später, wütet ein anderer Krieg, und die alten Herren wollten es noch einmal wissen. Aber kann Musik tatsächlich etwas bewirken? Diese Hoffnung hat selbst Young längst aufgegeben: "Ein einzelner Song kann die Welt nicht verändern", sagt er. Doch von Bush und dem Irak-Krieg hatte er dermaßen die Schnauze voll, dass er trotzdem 2006 innerhalb weniger Tage das Album "Living With War" herausrotzte und seine einstigen Mitstreiter zu der Protest-Tour überredete. Das Ganze dokumentierte er dann mit Hilfe des renommierten Irak-Kriegsberichterstatters Mike Cerre, der für die nötige Ausgewogenheit sorgt. Herausgekommen ist ein mitreißender Film, mehr Politdoku als Konzertmitschnitt, ähnlich wie "Shut Up and Sing!" mit den Dixie Chicks. Allerdings mit einem Unterschied: Young wusste vorher, worauf er sich einlässt.

Let's Impeach the President
Kaum mehr als die Hälfte der Laufzeit besteht aus Live-Material, der Rest ist politische Bestandsaufnahme: Begegnungen mit Aktivisten, Politikern, Kriegsveteranen, erbosten wie zufriedenen Fans. Dazu Interviewschnipsel, Talkshow-Auftritte, und natürlich ein Brückenschlag in die Vietnamkriegs-Ära, als eine Antikriegsstimmung noch zur Massenbewegung taugte - und CSN&Y halb so dick waren und doppelt so viele Haare hatten. Optische Eitelkeit kann man der Band jedenfalls nicht vorwerfen. Hier sehen Rockdinosaurier endlich einmal so alt aus, wie sie tatsächlich sind. Sie wirken so mitgenommen, wie das schiefhängende Peace-Symbol an der Bühnenwand hinter ihnen. Und auch Selbstkritik ist durchaus drin. Wenig schmeichelhafte Radio- und Zeitungskommentare werden zitiert, die das ganze Unterfangen in Frage stellen. Wütende Fans kommen zu Wort: Einige der Konzertbesucher äußern sich von Youngs Sendungsbewusstsein ziemlich abgenervt. Für 120 Dollar Eintritt wolle man die alten Hits hören und keine politischen Ansichten. "Let's Impeach the President" - Bush absetzen? In Atlanta, Georgia beispielsweise, kam das gar nicht gut an.

Find the Cost of Freedom
Andererseits weiß Young natürlich, wie er sich und seine alten Mitstreiter wirkungsvoll in Szene setzt. Man sieht ihn mit dem Kriegsveteranen Josh Hisle dessen Protestsong "A Traitor's Death" jammen. Oder Stephen Stills beim Wahlkampf für den Kriegsveteranen Patrick Murphy, der für die Demokraten 2006 in den Kongress einzog. Und an großen, bewegenden Momenten mangelt es auch nicht: Als die Band "Find the Cost of Freedom" spielt, zeigt eine Collage auf einer Leinwand hinter ihnen die Porträts aller bis dato gefallenen US-Soldaten, während die Kamera auf "Gold Star Mother" Karen Meredith schwenkt. Sie wartet im Publikum mit Tränen in den Augen auf das Foto ihres Sohnes Ken. Pathetisch und berührend gleichzeitig wirbt der Film für den politischen Wechsel. Neil Young ist nicht nur ein Mann der klaren Worte, sondern auch Bilder.

Let's Roll
Doch so ehrenwert das Anliegen der Doku auch ist, eines sollte man abschließend nicht ganz vergessen: Bei Young ist Politik immer tagesformabhängig gewesen. Er ließ seine Fahne im Taumel des 9/11-Traumas auch bereitwillig in die andere Richtung wehen: Bevor sich der Country-Rocker so deutlich und vehement gegen den Irak-Krieg einsetzte, unterstützte er Präsident Bushs "Patriot Act" und komponierte mit "Let's Roll" - vom britischen Guardian als Give-War-A-Chance-Hymne abgewatscht - eine plumpe, äußerst missverständliche Würdigung der Helden von Flug 93. Da ist uns der aktuelle Neil Young bedeutend lieber.

Fazit: Sehr sehenswerte und unterhaltsame Musikdoku über vier Countryrock-Dinosaurier, die die alten Revoluzzer in sich wiederentdecken.

  • Regie und Mitwirkende

  • Produktionsinfos

  • Starttermine

RegieMitwirkende
Bernhard Shakey (Neil Young)David Crosby
Stephen Stills
Graham Nash
Neil Young
Steven Colbert
Josh Hisle

Studio:Shakey Pictures (Arsenal)

Land: USA, 2008

FSK:frei ab 12 Jahren

Laufzeit:96 Minuten

Kino:10.Juli 2008
DVD: 28. November 2008
PPV:
Pay-TV:
Free-TV: