I'm not there cover
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Redaktionswertung Bewertung: 5 Sterne = sehr gut
Userwertung 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Sechsmal Dylan
Wie n√§hert man sich filmisch einem musikalischen Genie wie Bob Dylan? Wie einem K√ľnstler, der so r√§tselhaft und vielseitig ist, dass er s√§mtliche Konventionen des Musikgesch√§fts sprengt? Regisseur Todd Haynes ("Velvet Goldmine") fand eine einfache wie plausible L√∂sung: Er verpflichtete gleich sechs verschiedene Schauspieler, die die vielen Facetten und Phasen aus Bob Dylans Leben verk√∂rpern. Oder genauer: die den √∂ffentlichen Personen, die Dylan von sich erfand, ein Gesicht geben. Und der allerbeste Dylan in diesem Film ist eine Frau: Cate Blanchett!

Unerschöflicher Fundus
Die Handlung dieser √ľberragenden Filmbiografie ist schnell erz√§hlt - es gibt keine. Haynes begn√ľgt sich nicht damit, Dylans wichtige Lebens- und Karrierestationen in ein konventionelles Handlungsger√ľst √† la "Walk the Line" zu pressen, Ereignisse mit hohem Wiedererkennungswert einfach chronologisch nachzuspielen. Der Film ist √ľber weite Strecken genauso r√§tselhaft wie Dylan selbst. Ein flirrende Collage aus wild zusammenmontierten Szenen, schwarzwei√ü, in Farbe, die Dylan in verschiedenen Phasen seines Lebens zeigen und verschachtelt ineinandergreifen, dabei Personen und Storys aus Dylans ber√ľhmtesten Songs mit seiner Biografie verweben. Zudem strotzt das Pseudo-Biopic vor Anspielungen und Querverweisen und bietet Fans einen unersch√∂flichen Fundus an Versatzst√ľcken, in dem es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.
Wer nicht wenigstens ansatzweise mit Bob Dylans Leben und Werk vertraut ist, d√ľrfte bei der virtuosen Art, mit der sich Haynes dem Objekt seiner Begierde n√§hert, jedoch schnell den √úberblick verlieren. Was das Filmvergn√ľgen in keiner Weise schm√§lert, denn selbst als 135-min√ľtiges Musikvideo ist der Film eine Wucht. "I'm Not There" gelingt es ausgezeichnet, Dylan auch ohne Vorkenntnisse sp√ľrbar und erlebbar zu machen, statt ihn lediglich zu simulieren. Und das Beste ist, dass Haynes dabei nicht in Ehrfurcht erstarrt, sondern immer originelle, manchmal sogar kritische und ironische T√∂ne anschl√§gt, etwa wenn er die Hysterie der 60er Jahre schildert.

Facettenreiches Genie
Dylans Name f√§llt in dem Film √ľbrigens kein einziges Mal, die sieben fiktiven Leinwandpersonen, in die der K√ľnstler aufgesplittet wird, haben konsequenterweise alle ihren eigenen: als 11-j√§hriger schwarzer Hobo hei√üt er Woody (Marcus Carl Franklin), als Folk-Troubadour der fr√ľhen 60er Jahre Jack Rollins (Christian Bale). Um die Verwirrung komplett zu machen, spielt Bale auch den religi√∂sen Prediger John Doe, der f√ľr Dylans gl√§ubige Phase Ende der 70er Jahre steht. Ben Wishaw ("Das Parfum") rezitiert als Arthur (Rimbaud) geistreich-ironische Zitate aus Dylans Interviews von 1965. Die schon erw√§hnte Cate Blanchett ist grandios als Jude Quinn, Dylans Alter Ego, das sich Mitte der 60er Jahre die E-Gitarre umschnallte und so die eingeschworene Folkgemeinde vor den Kopf stie√ü. (Blanchett wurde f√ľr ihre Leistung bereits mit dem Golden Globe und dem Darstellerpreis in Venedig ausgezeichnet. Next Stop: Oscar.) Der k√ľrzlich verstorbene Heath Leger ist in einer seiner letzten Rollen als Schauspieler Robbie Clarke zu sehen, der zudem Dylans problematisches Liebes- und Familienleben verk√∂rpert. Und Richard Gere gibt schlie√ülich den naturverbundenen Outlaw Billy the Kid, der f√ľr Dylans h√§ufige Verweigerungen und R√ľckz√ľge aus der √Ėffentlichkeit steht.

Umwerfender Soundtrack
Doch das Herzst√ľck dieses Films, √ľbrigens der erste Spielfilm, den Dylan pers√∂nlich autorisiert hat, ist zwangsl√§ufig die Musik. Auch hier leistet der Film einzigartiges, denn der Soundtrack besteht aus einer famosen Mischung aus Coverversionen und Dylans Originalen. Bands und K√ľnstler wie Calexico, Willie Nelson, Richie Havens, Yo La Tengo, Eddie Vedder, Los Lobos, Jack Johnson, Jeff Tweedy und viele andere steuern gro√üartige Dylan-Interpretationen bei. "His Bobness" selbst liefert mit dem Titelst√ľck "I'm Not There" zudem einen bislang nur auf Bootlegs ver√∂ffentlichten Song der Basement Tapes. Mehr Dylan geht nicht.

Fazit: And diesem Film kommt kein Musikfan vorbei. "I'm Not There" liefert eine schillernde, virtuose Interpretation des Gesamtkunstwerks Bob Dylan. Die perfekte Ergänzung zu Martin Scorseses Doku "No Direction Home".

  • Regie und Schauspieler

  • Produktionsinfos

  • Soundtrack

  • Starttermine

  • Trailer

Regie Schauspieler Rolle
Todd Haynes Cate Blanchett ... Jude
Christian Bale ... Jack / Pastor John
Heath Ledger ... Robbie
Richard Gere ... Billy
Ben Whishaw ... Arthur
Kris Kristofferson ... Erzähler
Marcus Carl Franklin ... Woody / Chaplin Boy

Studio:John Wells Productions / John Goldwyn Productions(Tobis Filmkunst)

Land: USA, 2007

FSK:frei ab 12 Jahren

Laufzeit:130 Minuten

"I'm Not There" - Original Soundtrack

Kino:28. Februar 2008
DVD: 11. August 2008
PPV:
Pay-TV:
Free-TV:

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