CD Cover Willie Nelson - Moment of Forever
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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Willie Nelson ist einfach nicht zu packen. Gerade war man sich noch sicher, dass es sich der Outlaw mit den Z├Âfen irgendwo zwischen alternativem und traditionellem Country bequem eingerichtet hat, ├╝berrascht Nelson mit einem waschechten Mainstream-Album und mit einer Zusammenarbeit mit niemand Geringerem als Kenny Chesney.

Was f├╝r eine ├ťberraschung. Und Willie w├Ąre nicht Willie, wenn er nicht auch diesen "U-Turn" zu seinen letzten Alben mit Leichtigkeit hinbekommen w├╝rde. Wir erinnern uns: 2005 bescherte er uns mit "Countryman", den wohl ersten Country-Reggae-Hybriden, 2006 widmete er sich mit "You Don't Know Me: The Songs of Cindy Walker" dem Genre Country-Swing, um noch im selben Jahr mit dem Americana-S├Ąulenheiligen Ryan Adams das von Kritikern geliebte Meisterwerk "Songbird" einzuspielen. 2007 folgte das durch und durch traditionelle "Last of The Breed" mit Merle Haggard und Ray Price. Und jetzt also "Moment of Forever", aalglatt in Szene gesetzt von Kenny Chesney und dessen Hausproduzent Buddy Cannon, die aber entsprechend respektvoll mit ihrem Sch├╝tzling umgehen.

Willie, der am 30. April 2008 seinen 75. Geburtstag feiern darf, ist mittlerweile auch selbstbewusst genug, um allzu seichte Pop-Ausfl├╝ge wie "Always On My Mind" oder "To All the Girls I've Loved Before" nicht mehr mit sich machen zu lassen. Vielmehr spielt der unbeugsame Country-Star mit dem Mainstream-Genre - ganz nach eigenen Regeln. Bestes Beispiel daf├╝r ist der Big-and-Rich-Hit "The Bob Song". Ein wirklich albernes kleines Lied, das mit einem Spoken-Word-Intro beginnt und dann in einen schunkelnden Sehfahrer-Shanty ├╝bergeht - inklusive Akkordeon, Susaphon und Background-Vocals von Big Kenny und Wyatt Beard. W├Ąre da nicht Nelson feinsinniger, ironischer Gesang, der Song k├Ânnte wirklich danebengehen. Tut er aber nicht, er bildet sogar mit dem Kenny Chesney-Duett "Worry B Gone" einen der H├Âhepunkte des Albums. Letzteres ist eine relaxed swingende Version des Hits von Guy Clark, in der es sich Willie nicht nehmen l├Ąsst, eine klitzekleine Marihuana-Referenz einzubauen. Outlaw bleibt eben Outlaw.

Neben einer Reihe neuer Nelson-Songs - zum Beispiel der wunderbare Opener "Over You Again" - und der Chesney-Komposition "I'm Alive" verl├Ąsst sich Nelson auf die ganz gro├čen Songschmiede der US of A: Unter anderem auf Kris Kristofferson, Randy Newman, Bob Dylan und Dave Matthews. Dessen "Gravedigger" zeigt ganz deutlich wie viel M├╝he sich Chesney und Cannon bei der Produktion gegeben haben. Klar und glatt, ohne Ecken und Kanten, gibt es eigentlich nur ein Wort f├╝r die Herangehensweise: Sophisticated. Abwechslungsreich und unterhaltsam ist diese Auswahl und voller ├ťberraschungen, auch wenn "Moment of Forever" nicht die emotionale Tiefe von "Songbird" erreicht. Im Vergleich dazu bleibt das Album immer ein wenig oberfl├Ąchlich. Aber schlie├člich kann man ja auch nicht jedes Jahr ein Meisterwerk schaffen.

Fazit: Willie-Nelson-Fans, die mit den experimentelleren Alben der j├╝ngsten Vergangenheit weniger anfangen konnten, werden hier mit Ihrem Idol vers├Âhnt. Mainstream-Country, der doch 100 Prozent Willie Nelson ist.

Label: Lost Highway (Universal) V├ľ: 22. Februar 2008

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