amazon
nicht vergeben
Redaktionswertung
Leserwertung1111111111

Austin City Limits ist eine 1974 ins Leben gerufen, im amerikanischen Fernsehen übertragene Konzertreihe. Musiker aus allen Genres treten dabei in einem intimen Rahmen auf - von Sheryl Crow bis Bob Wills' Texas Playboys, von B.B. King über den seligen Ray Charles bis zu Protestsänger-Legende Leonhard Cohen. Alle waren sie da - doch niemand war öfters in dem TV-Live-Studio zu Gast, als einer der Wegbereiter des Formats: Willie Nelson. Etliche Male hat Willie mit Mannen hier seine musikalische Visitenkarte abgegeben, so auch am 6. September 1990.

Gemeinsam mit einer achtköfigen Begleitband streift der geniale Songschreiber und der genauso unverwechselbare Sänger und Gitarrist durch sein mehrere Dekaden umfassendes Repertoire und diversen Fremdkompositionen. Und das macht er enorm lässig. So locker, dass man sich bei den ersten Takten des Openers "Whiskey River" schon etwas Augen und Ohren reibt: Als ob die Combo nur mal so zum Spaß im Übungsraum zu einer munteren Session wäre, so klingt das. Der eine quatscht noch mit seinem Bandkollegen, der andere schraubt noch an der Stimmung herum, der nächste probiert ein paar verwegene Griffe aus. Und Big Willie? Der rezitiert schmunzelnd und auf seiner genauso wie sein Gesicht zerfurchten Holzgitarre "Trigger" schrammelnd die von John Bush Shinn geschriebenen Liedzeilen. Lampenfieber sieht anders aus...

So relaxt gehen die Country-Rabauken auch die nächsten Song-Hürden an. "Stay A Little Longer" von Tommy Duncan, gefolgt von einigen seiner größten Hits: "Good Hearted Woman", "Funny", "Crazy" und "Night Life". Die letzteren drei in einer eigenwilligen Medley-Version. Dazwischen stellt er mal, ganz der charmante Gastgeber, die Musiker seiner Band vor. Tja, keine Frage, das ist mehr als eine Band, das ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Oder eine Familie. Oder eine verwegene Bande von Western-Outlaws. Wer jemals in seinem Leben ein Instrument gespielt hat (oder immer noch spielt), würde vermutlich viel dafür geben, Teil einer solchen Truppe zu sein. So spürt man in jedem der 17 Tracks das geradezu blinde Verständnis untereinander. Jeder der Herren ist überdies mit einem Höchstmaß an kreativer Bewegungsfreiheit ausgestattet. Fehler werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sie erscheinen sogar als erwünschte Draufgabe. Was ist schon Perfektion? Kalt, seelenlos, mechanisch.

Vor so einer coolen Arbeitseinstellung kann man nur den Hut ziehen. Zumal es Willie Nelson & Co. trefflich drauf haben, die Pferde trotzdem im Zaum zu halten. Songs wie "Nothing Can Do About It Now" von Beth Nielsen Chapman, das Kris Kristofferson-Trio "Help Me Through The Night", "Me And Bobby McGee" und "Loving Her Was Easier (Than Anything I'll Ever Do Again)" und weitere Klaissiker aus eigener Song-Werkstatt - "On The Road Again", "Always On My Mind" - erblühen deshalb in höchst originellen Klangformen. Dass die Band bei aller Lässigkeit fleißig übt, beweist sie beispielsweise in dem dynamischen, prima durcharrangierten und mit vielen dynamischen Wendungen ausgestatteten "Bloody Mary Morning". Hier kann die Band um Drummer Paul English, den langmähnigen Pianisten Bobbie Nelson und Gitarrist Jody Payne zeigen, was sie drauf hat.Gegen Ende der Show umgibt sich der knuddelige Willie noch mit der damals noch sehr jungen und dazu sehr schüchternen Shelby Lynne. Mit ihr stimmt er "Still Is Still Moving To Me" und den unverzichtbaren "Milk Cow Blues" an.
Die Cover-Optik ist ansprechend, die Extras der DVD allerdings bescheiden: Außer Setlist und Sound (HD PCM/Stereo, DTS 5.1) gibt's nichts zu Stöbern. Vielleicht das einzige Manko der DVD.

Fazit:Willie Nelson & Co. in Bestform: lässig, locker, liebenswert. Ein ruhig und intim gefilmter Konzertmitschnitt ohne Firlefanz. Willie Nelson pur.

Label: New West (Soulfood)VÖ: 12.Mai 2006

  • Titelliste

  • Links