Ignorieren Sie für einen Moment die lebendigen Texte und das raue Gefühl staubiger Straßen in Ryan Binghams Musik auf "Mescalito" und hören Sie möglichst nur auf den Klang seiner Stimme, während sie durch die wüstentrockenen Aussichten kratzt, die sich auf "Southside of Heaven" entfalten, während sie unter der Last von Liebeskummer auf "Bread & Water" bricht und sich auf "Ever Wonder Why" wie ein kaputter Planwagen durch die drückende Hitze schleppt. Auch wer kein Spanisch spricht, versteht die Bedeutung der Worte, mit denen "Boracho's Station" beginnt.
Dieses erschöfte und müde Timbre ist alles, was Bingham benötigt, um eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Dieser überraschend junge Künstler hat jedoch auch als Songwriter jede Menge zu sagen.
Seine Bilder - Bussarde, Trucker-Rastplätze, Züge, einäugige Hunde, müde alte Pferde, gerissene Spieler, Tagesanbrüche in der Prärie - beschwören die menschenleeren Weiten und die verstreuten kleinen Orte herauf, die ihm vertraut sind, seit er in Westtexas, etwas nördlich vom Rio Grande aufwuchs. Es waren rastlose Jahre, in denen seine Familie ständig umzog und nach festem Boden in den sich häufenden Schwierigkeiten suchte, die Bingham schließlich mitrissen, so dass er schon als Teenager sein eigenes Schicksal in die Hand nehmen musste.
Er tat, was getan werden musste: vom Bullenreiten bei Rodeos bis hin zum Musizieren für ein Trinkgeld. Ein wöchentlicher Auftritt in einer Bar in Stephenville ermutigte ihn dazu, 2005 das eigenproduzierte Album "Wishbone Saloon" zu veröffentlichen. Diese Billigproduktion erlangte in ganz Texas einen gewissen Bekanntheitsgrad und erregte schließlich die Aufmerksamkeit von Lost Highway Records. Das von Marc Ford produzierte Album "Mescalito" belegt, dass die Ahnenreihe der vom Leben gebeutelten Troubadoure, die durch lang vergessene Liedermacher definiert und von Größen wie Woodie Guthrie und Hank Williams fortgesetzt wurde, ihr Ende noch lange nicht erreicht hat.
Gemeinsam mit T Bone Burnett schrieb er "The Weary Kind" für den Soundtrack zum Film "Crazy Heart". Für den Song wurde er 2010 mit dem Golden Globe ausgezeichnet und erhielt im gleichen Jahr auch eine Oscar-Nominierung.
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