CD Cover Alison Krauss und Robert Plant - Raising Sand
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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Puristen seien gewarnt: Mit klassischem Bluegrass hat die Kollaboration der Genre-K├Ânigin Alison Krauss und dem Rock-Gott Robert Plant wenig gemein. Ein herausragendes Album ist "Raising Sand" dennoch geworden. Also: Weg mit den Scheuklappen.

Sich gegenseitig insgeheim bewundert haben sich der ehemalige Led-Zeppelin-Frontmann Robert Plant und die und die Bluegrass-Erneuerin Alison Krauss angeblich schon l├Ąnger. Die Idee f├╝r eine gemeinsame Zusammenarbeit entstand bei einem Live-Tribute f├╝r den Blues-Heroen-Leadbelly, wo sich beide kennen lernten. Eine gute Basis, denn schlie├člich hat Leadbeally das Fundament gelegt auf dem sowohl Plant als auch Krauss ihre Musik aufbauten - wenn auch mit komplett unterschiedlichen Ergebnissen: Der eine schrieb mit Led Zeppelin Rockgeschichte, einer Band die sich auch 27 Jahre nach ihrer Trennung ├╝ber eine schier unglaubliche Nachfrage freuen darf: Etwa 20 Millionen Fans bewarben sich um Tickets zum einmaligen Reunion-Gig der Band am 26. November in Londons O2 Arena. Die andere, Alison Krauss, hat bisher mehr Grammies gesammelt als jede andere K├╝nstlerin zuvor (stolze 20) und darf zur Verantwortung gezogen werden, dass die Bluegrass-Szene so lebendig ist, wie selten zuvor.

Um ein derart ausuferndes Kreativit├Ątspotential unter ein gemeinsames Dach zu bringen, braucht es neben einem gemeinsamen Fundament (wir sprachen vom Blues) einen Architekten, der das gro├če Ganze im Auge beh├Ąlt und die stilistische Oberhand beh├Ąlt. Krauss und Plant w├Ąhlten f├╝r diesen Job niemand Geringeren als T-Bone Burnett, der nicht nur bei den Soundtracks zu "O Brother Where Art Thou" und "Walk The Line" betreute, sondern einer ganzen Generation von K├╝nstlern den richtigen Sound verpasste.

Zuerst setzte T-Bone Burnett die beiden prominenten Protagonisten erstmal auf eine Couch, schnappte sich eine Akustikgitarre und lie├č sie einfach los singen. "Die Idee war, sie beide aus ihrer Comfort-Zone zu holen", erkl├Ąrt Burnett seine Vorgehensweise. Schlie├člich hatte es Krauss noch nie mit einem Rock-Kaliber wie Plant zu tun und Plant war in Sachen Harmoniegesang eher unbewandert. Als sich beide an die stimmlichen Eigenheiten des anderen gew├Âhnten, heuerte Burnett die Musiker an, die die Session begleiteten. Auch hier bewies Burnett einmal mehr ein sicheres H├Ąndchen: Am Schlagzeug finden wir Jay Bellerose, derzeit in der Tourband des Multigenre-K├╝nstlers Beck angestellt, als Basser wurde Dennis Crouch verpflichtet, der bereits Alben von Dolly Parton, Jerry Reed, Tim O'Brien, Steve Earle und Marty Stuart begleitete. F├╝r die vielf├Ąltige Gitarrenarbeit sorgt neben dem Pedal-Steel-Gott Greg Leisz und Burnett selbst vor allem Marc Ribot, einer der wohl au├čergew├Âhnlichsten Gitarristen weltweit. Sein Spektrum reicht von Country (j├╝ngst zu h├Âren bei Teddy Thompsons "Up Front & Down Low") ├╝ber Jazz, Rock und Pop, Latin ├╝ber Avantgarde bis hin zum blanken L├Ąrm - und immer erkennt man ganz deutlich seine Handschrift. So auch bei "Raising Sand", das neben Plant und Krauss auch gut und gerne Ribot als Interpreten auff├╝hren h├Ątte k├Ânnen. Sein Gitarren- und Banjospiel gibt die jeweilige Stimmung der entsprechenden Songs vor und hat entscheidenden Anteil am Gelingen des Albums.

Ebenso wie die Auswahl der Songs, die Burnett f├╝r das Album traf: Tom Waits, Gene Clark, die Everly Brothers, Townes Van Zandt, Sam Phillips oder Mel Tillis hei├čen die Songschreiber, die Burnett f├╝r die gesangliche Liaison zwischen Plant und Krauss erkor, die sich trotz anf├Ąnglicher Skepsis als eine sehr gelungene erwei├čt. Plant wei├č sein markantes Organ sehr gut zu kontrollieren und in den Dienst der Sache zu stellen und Alison Krauss ist ohnehin ├╝ber jeden Zweifel erhaben. Das flie├čende Wechselspiel zwischen Duett und Solo-Gesang (mal mit mehr, mal mit weniger Harmonie-Gesang des Partners) sorgt daf├╝r, dass das Album seine Spannkraft nicht verliert.

Die Musik kommt die roh, dunkel und immer unerwartet daher und w├╝rde als Soundtrack zum einem David-Lynch-Film gut passen. Hier wird keine Pop-Country-Kost geboten, auch einen traditionellen Retro-Ansatz gibt es nicht. Burnett munterte die Instrumentalisten dazu auf, die Vergangenheit abzuhaken und die Songs so zu spielen, wie sie diese heute wahrnehmen und empfinden. Ein Erfolgskniff f├╝r das Album, das gleicherma├čen archaisch wie modern klingt, und doch wie etwas, dass man selten geh├Ârt hat.

Fazit: Richtungsweisendes Album f├╝r Country-Fans, die sich gerne jenseits altbekannter Genre-Pfade tummeln und auch f├╝r das ein oder andere Experiment zu haben sind. "Raising Sand" hinterl├Ąsst einen bleibenden Eindruck.

Label: Rounder / Decca (Universal) V├ľ: 19. Oktober 2007

  • Titelliste

  • Links

01 Rich Woman 08 Trampled Rose
02 Killing the Blues 09 Fortune Teller
03 Sister Rosetta Goes Before Us 10 Stick with Me Baby
04 Polly Come Home 11 Nothin'
05 Gone Gone Gone (Done Moved On) 12 Let Your Loss Be Your Lesson
06 Through the Morning, Through the Night 13 Your Long Journey
07 Please Read the Letter

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