CD Cover Big & Rich - Horse of a Different Color
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RedaktionswertungCD von der Redaktion nicht bewertet
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"Brüder und Schwestern, wir sind hier aus einem einzigen Grund" schreibt das Countryduo Big & Rich im Booklet zu ihrer neuen CD "Horse ofa Different Color": "Um unsere Liebe zur Musik mit euch zu teilen. Deshalb präsentieren wir euch: Countrymusik ohne Vorurteile." Tatsächlich zeigen Big Kenny und John Rich auf ihrem dritten Album keinerlei Berührungsängste mit all den Musikstilen, die der normale Countryhörer nur selten freiwillig an seine Ohren lässt: Gleich im ersten Song, "Rollin' (The Ballad of Big & Rich)", gibt es unerhörtes: Rap. Der schwergewichtige schwarze Cowboyrapper Cowboy Troy unterstützt seine "Brothas" mit wortgewaltigem Sprechgesang. "Hickhop Rap" genannt. Und man denkt sich: Wieso eigentlich auch nicht?

Doch keine Angst, sie übertreiben es nicht. Denn Big & Rich pflegen ihr Markenzeichen, die cleveren zweistimmigen Gesangslinien meist von Rappern ungestört. Sie gefallen sich auf den meisten der 13 Songs des Albums als ehrliche Cowboys. Keine Machotypen - im Booklet posieren sie gar im Indianer-Laibchen und Wild-West-Damenkostüm - sondern Cowboys, die über sich selbst lachen können, ohne dabei vom Pferd zu fallen. Insbesondere in dem Song "Savea Horse (Ridea Cowboy)", eine witzige Uptempo-Nummer: Retten Sie dieses Pferd - reiten Sie doch einfach den Cowboy. Das ist die eine Seite von Big & Rich. Die fast religiösen Songs wie "Holy Water" und "Saved" oder die melancholische Cowboy-Midtempo-Ballade "Deadwood Mountain" hingegen zeigen ihre ernste Seite. Doch bevor sie - zum Beispiel anlässlich des US-Wahlkampfs - politisch werden könnten, ziehen sie den Kopf aus der Schlinge: Ihre Gute Laune Nummer "Love Train" lädt Republikaner ebenso ein wie Democrats: "Let's take a ride on the love train."

Natürlich sind Big & Rich gnadenlose Angeber. Aber solche, die in der Honky-Tonk-Bar ihre Platin-Kreditkarte nur dezent auf den Tresen legen wenn sie eine Lokalrunde schmeißen. Sich selbst verkaufen sie in Songs wie "Wild West Show" und Big Time" somit auch als es ihr Held aus dem Song "Kick My Ass" tut: Einer ironischen Abrechnung mit einem ahnungslosen Aufschneider im Fransenhemd, der zu recht die Hucke vermöbelt kriegt. Ähnliches Terrain beackert "Real World" Zunächst ein Midtempo-Nummer über Tagträume von Reichtum und schönen Frauen zu Boogie-Woogie-Piano und frohlockender Fiedel. Doch es endet in einem stampfende Finale mit dem Banjo auf der Überholspur. Saloon-Polka pur - "Prozac, Prozac" kreischen sie im Chor, oder "I'm a cowboy, I'm a rock star, I'm a cowboy Stevie Wonder". Die haben echt Humor.

Big & Richs Liveshow spektakulär zu nennen wäre untertrieben, Amerikas Countrypublikum - berüchtigt für ihren konservativen Geschmack - eroberten sie im Sturm. Nicht zuletzt dank freundlicher Unterstützung von oben erwähntem Cowboy Troy (der übrigens in drei Sprachen rapt) und Two Foot Fred - einem Gastsänger, der Big & Rich gerade mal bis zur Hüfte reicht. Beflügelt vom Erfolg der Single "Savea Horse (Ridea Cowboy)" verkaufte "Horse of A Different Color" bereits in den ersten sechs Wochen nach seiner Veröffentlichung in den USA über eine Million Exemplare. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Fazit: Big Kenny und John Rich aus Nashville machen auf ihrem Album "Horse ofa Different Color" keinen Hehl daraus, dass es ihnen zu wenig ist, nur puristischen Country zu spielen. Sie lieben Queen, Limp Bizkit und sogar Hip-Hop-Acts wie Outcast. Nestbeschmutzer im US-Countrystall, also? Auf jeden Fall sind sie dort zur Zeit eines der erfolgreichsten Pferde.

Label: Warner Bros. Nashville (Warner)VÖ: 1. November 2004

  • Titelliste

  • Links

01Rollin' (The Ballad of Big & Rich)08Real World
02Wild West Show09Save a Horse (Ride a Cowboy)
03Big Time10Drinkin' 'bout You
04Kick my Ass11Love Train
05Six Foot Town12Deadwood Mountain
06Holy Water13Live This Life
07Saved