Willie Nelson - December Day


CD Cover Travis Tritt - The Storm
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RedaktionswertungBewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Ein bißchen hölzern posiert Travis Tritt ja schon auf dem Cover seiner neuen CD "The Storm". Außerdem sieht der Platin-geschmückte Sänger mit der Reibeisenstimme bei seinem Einstand bei dem Independent-Label "Category 5" für seine Verhältnisse recht brav aus: Adrette Kurzhaarfrisur, sorgfältig getrimmtes Grunge-Bärtchen, Pulli, Jeans und - jetzt kommt's! - Sakko. Nach Country guckt dieses Outfit nicht unbedingt aus. Und tatsächlich: auch musikalisch hat sich Travis Tritt bei seinem Comeback noch ein Stück weiter von seinen Country-Roots entfernt. Doch Gemach, Gemach, das Album ist trotzdem toll...

Sein Ding scheint momentan - neben seiner nie vorher so hemmungslos ausgelebten Balladen-Seite - der Blues-Rock zu sein. Schon das CD-Intro "Mudcat Moan", das Travis Tritt gemeinsam mit dem L.A.-Studio-Veteran Michael Thompson an der Gitarre zeigt, schippert lässig im Blues-Sound der amerikanischen Südstaaten. Das nahtlos anschließende, vom 80er- und 90er-Jahre Popstar Richard Marx geschriebene "You Never Take Me Dancing" nimmt diesen musikalischen Garn mit trägem Groove prima auf. Der Song stammt aus dem Jahr 1997, also ein gut abgehangener Marx-Titel. Welche Soundkost der ehemalige Posterboy und heutige Songlieferant jetzt anrührt, lässt sich im dritten Titel der CD nachprüfen: "Doesn't The Good Outweigh The Bad", ein knochentrockener, stampfender, ziemlich gut gelaunter Blues-Rock, verziert mit dezenten Country-Tupfern und geschrieben von Marx gemeinsam mit Travis Tritt.

"The Storm" verweht den in den frühen 90er Jahren als Bruce Springsteen der Countrymusic gehandelten Travis Tritt aber auch noch in andere Genre-Gefilde. Bei "(I Wanna) Feel Too Much" beispielsweise drückt er ganz ungeniert auf die Tränendrüse. Tritt, der wilde Kerl? Das war einmal. Immerhin hat Balladen-Königin Diane Warren (Whitney Houston, Toni Braxton, Aerosmith) dieses, irgendwie an einen Zucchero-Schmachtfetzen erinnerndes Lied entworfen. Doch auch wenn daran Null Country ist: der Song besticht durch eine exzellente Melodie und ein großartig opulentes Arrangement.

Das lässt sich auch von "What If Love Hangs On" behaupten. Der durch seine Zusammenarbeit mit Carlos Santana zu Weltruhm gekommene Matchbox-20-Sänger Rob Thomas schrieb den Popsong gemeinsam mit dem Interpreten. Und, wenn mich nicht alles täuscht, singt der Knabe hier auch als Duettpartner mit - auch wenn darüber keine Zeile im Booklet geschrieben steht.

Bei dem Casey Beathard/Kevin Horne-Titel "Rub Off On Me" schlägt Tritt wieder wesentlich knackigere Töne an: erneut ein kerniger, souliger Blues-Rocker mit fideler Blues-Harp und einem vielstimmigen Gospel-Chor, darunter die einstige Michael-Jackson-Entdeckung Siedah Garrett.

Diese Mixtur hält "The Storm" auch bei den nachfolgenden Songs bei. Balladen (sehr stark: "Something Stronger Than Me", "I Don't Know How I Got By"), Rock ("Should've Listened"), Blues-Rock (der selbst geschriebene Titeltrack, "Somehow, Somewhere, Someway", ein zehn Jahre alter Kenny Wayne Shepherd-Song) wechseln sich Song für Song ab. Zwei Reminiszenzen an seine Country-Roots finden sich zum Glück auch noch: "The Pressure Is On", eine 1981er Komposition vom immer noch recht wilden Hank Williams Jr. lässt den 1963 in Georgia geborenen Sänger zur Höchstform auflaufen - genau wie bei "High Time For Gettin' Down". Ein exzellenter Country-Rocker mit raubeinigem Groove und Altmeister Charlie Daniels an der Fiddle.

Fazit: Bei seinem Independent-Label-Einstand zeigt sich Travis Tritt bluesiger und romantischer denn je. Ein bärenstarkes Album - trotz relativ weniger Countryklänge.

Label: Category 5 (in Deutschland nicht veröffentlicht)VÖ: 21. August 2007

  • Titelliste

  • Links

01Mudcat Moan (Prelude) / You Never Take Me Dancing07Storm
02(I Wanna) Feel Too Much08I Don't Know How I Got By
03Doesn't the Good Outweigh the Bad09Pressure Is On
04What If Love Hangs On10Should've Listened
05Rub off on Me11High Time for Gettin' Down
06Something Stronger Than Me12Somehow, Somewhere, Someway