LyleLovettLyle Lovett war einer der auffĂ€lligsten und originellsten Singer/Songwriter, der in den 80er Jahren auf der BildflĂ€che erschien. Obwohl er anfĂ€nglich als Country-SĂ€nger abgestempelt wurde, hat er nie so ganz in diese Schublade gepasst. Lovett hatte eher Gemeinsamkeiten mit den Singer/Songwritern der 70er wie Guy Clark, Jesse Winchester, Randy Newman und Townes Van Zandt, da er ein Talent fĂŒr prĂ€gnante, geistreiche Texte mit einer vielseitigen Musikpalette vermischte, die von Country und Folk ĂŒber Bigband-Swing bis hin zu traditionellem Pop reichte. Die textlich anspruchsvollen, vielschichtigen Songs Lovetts hoben sich von den formelhaften Hitsingles aus Nashville Ende der 80er genauso ab wie von den neuen Traditionalisten, die langsam die Country-Musik ĂŒbernahmen. Ausgehend von einer Fanbasis aus dem Alternative Country- und Rockbereich baute Lovett sich schnell einen Kultstatus auf, der mit seinem zweiten Album "Pontiac" von 1988 auch in den Mainstream ĂŒberschwappte. Nach "Pontiac" nahm seine Country-Zuhörerschaft ab, aber sein Ruf als Songwriter und Musiker wuchs weiter, und er behielt in den 90ern eine treu ergebene Fangemeinde bei.

Der im texanischen Klein - einer Kleinstadt, die nach seinem Urgroßvater, einem bayerischen Weber namens Adam Klein, benannt und spĂ€ter zu einem Vorort von Houston wurde - geborene Lovett wuchs auf der Pferderanch seiner Familie auf. Er begann seine musikalische Karriere erst, als er wĂ€hrend seines Journalistik- und Deutsch-Studiums an der Texas A&M University in den spĂ€ten 70ern mit dem Songschreiben anfing. Als Student trat er mit Coverversionen und eigenen Songs bei örtlichen Folkfestivals und in Clubs auf. Nach seinem ersten Abschluss reiste er nach Deutschland, um weiterzustudieren und fuhr wĂ€hrend seines Aufenthalts in Europa damit fort, Songs zu schreiben und zu spielen. Er verfolgte seine Musikkarriere jedoch erst ernsthaft, nachdem er in den frĂŒhen 80er Jahren nach Amerika zurĂŒckkehrte.

Nach seiner RĂŒckkehr in die Vereinigten Staaten spielte Lovett in Clubs in ganz Texas und ergatterte 1983 schließlich eine Rolle in dem TV-Film "Bill: On His Own" mit Mickey Rooney. Im folgenden Jahr nahm Nanci Griffith, die Lovett wĂ€hrend seiner Collegezeit fĂŒr eine Seminararbeit interviewt hatte, seinen Song "If I Were the Woman You Wanted" fĂŒr ihr Album "Once in a Very Blue Moon" auf. Er war auf diesem Album auch als SĂ€nger zu hören, ebenso wie auf ihrer Platte "Last of the True Believers". Guy Clark hörte 1984 eine Demoaufnahme von Lovetts Songs und leitete sie an Tony Brown von MCA Records Nashville weiter. Im Verlauf des nĂ€chsten Jahres arbeitete MCA einen Plattenvertrag mit Lovett aus. In der Zwischenzeit erschien eine erste Aufnahme von ihm auf der beigelegten Platte des Singer/Songwriter-Magazins "Fast Folk Magazine, Vol. 2" #8

Lovett unterzeichnete 1986 den Vertrag bei MCA/Curb und veröffentlichte sein gleichnamiges DebĂŒt noch im selben Jahr. Lyle Lovett bekam hervorragende Kritiken, und fĂŒnf der Singles - "Farther Down the Line", die Top-Ten-Hits "Cowboy Man", "God Will", "Why I Don't Know" und "Give Back My Heart" - erreichten die Country Top 40. Trotz seiner starken PrĂ€senz in den Country-Charts war von Anfang an klar, dass Lovetts Musikgeschmack nicht allein auf Country beruhte, auch wenn diese Musikrichtung das Fundament fĂŒr seinen Sound darstellte. Stattdessen baute er Elemente aus dem Jazz, Folk und Pop in einen Country-Rahmen ein, und setzte sich so ĂŒber die Grenzen jeder Stilrichtung hinweg. "Pontiac", sein zweites Album, offenbarte genau, wie vielseitig und musikalisch bewandert Lovett war. Nachdem dieses Album bei seiner Veröffentlichung 1987 mit einer ĂŒberwĂ€ltigend positiven Reaktion sowohl von Country- als auch von Mainstream-FachblĂ€ttern aufgenommen wurde, konnte er mit "Pontiac" sein Publikum auf den Pop- und Rockmarkt ausdehnen. Das Album stieg in den unteren Bereichen der Pop-Charts ein und arbeitete sich langsam bis zum Goldstatus nach oben. WĂ€hrend seine Fanbasis im Pop wuchs, begann die im Country zu schrumpfen - "She's No Lady" und "I Loved You Yesterday" erreichten jeweils noch die Top 30, aber nach diesen zwei Songs schaffte es keine seiner weiteren Singles in die Country Top 40.

Es machte nichts, dass Lovetts Country-Zuhörerschaft schwand - "Pontiac" hatte genĂŒgend neue Fans im Pop-Mainstream gefunden, was ihm einen starken Kultstatus sicherte. Als UnterstĂŒtzung fĂŒr "Pontiac" grĂŒndete er "His Large Band", bei der es sich um eine modifizierte Bigband, bestehend aus Gitarren, Cello, Klavier, BlĂ€sern und einer BackgroundsĂ€ngerin mit Gospelhintergrund namens Francine Reed, handelte. Lovett nahm sein drittes Album "Lyle Lovett and His Large Band" mit seiner Tourband auf. Wie die beiden VorgĂ€nger stieß dieses Album bei seiner Veröffentlichung Anfang 1989 auf gute Kritiken und fand auch kommerziell gesehen guten Anklang mit einer Höchstposition von Platz 62 und dem letztlichen Erreichen des Goldstatus. Möglicherweise lag es am vielseitigen, jazzigen Klang des Albums, dass dieses mit "I Married Her Just Because She Looked Like You" nur einen kleineren Country-Hit hervorbrachte. Seine geradlinige Interpretation von Tammy Wynettes "Stand By Your Man" erhielt jedoch viel Aufmerksamkeit in den Medien.

Nach der Veröffentlichung von "Lyle Lovett and His Large Band" ließ Lovett sich in Kalifornien nieder, was symbolhaft dafĂŒr war, dass er die Country-Musik aufgab. Nachdem er sich in Los Angeles niedergelassen hatte, verbrachte er die folgenden zwei Jahre mit Gemeinschaftsprojekten mit anderen KĂŒnstlern und der Arbeit an seinem vierten Album. 1990 produzierte er das Album "King Tears" von Walter Hyatt; im darauf folgenden Jahr war er auf "Great Big Boy" von Leo Kottke zu hören und steuerte eine Coverversion von "Friend of the Devil" zum Tribute-Album "Deadicated" fĂŒr The Grateful Dead bei. Außerdem gab er 1991 sein Kino-DebĂŒt in "The Player", einem Film von Robert Altman, der im FrĂŒhjahr 1992 seine Premiere feierte. Ein paar Monate, nachdem "The Player" in die Kinos kam, wurde Lovetts viertes Album "Joshua Judges Ruth" veröffentlicht. Mit starken Gospel- und R&B-EinflĂŒssen war "Joshua Judges Ruth" sein bis dato erfolgreichstes Album, das mit Platz 57 seine höchste Platzierung sowie Goldstatus erreichte. Das Album wurde vom Country-Radio weitgehend ignoriert, aber das Pop-Publikum nahm die Platte begeistert auf. Lovett wurde Stammgast beim Adult Alternative-Radio und VH1.

Trotz des Erfolgs von "Joshua Judges Ruth" wurde Lovett aus einem völlig anderen Grund zu einem Beinahe-Superstar - nĂ€mlich seiner Überraschungshochzeit mit Schauspielerin Julia Roberts ("Pretty Woman"). Nach der Bekanntgabe ihrer Heirat wurde Lovett zum Thema vieler Klatschspalten und Geschichten der Boulevardpresse, was ihm einen ungeahnten Bekanntheitsgrad verlieh. Das erste Projekt von Lyle Lovett nach seiner Hochzeit war eine Rolle im Altman-Film "Short Cuts" von 1993. Erst 1994 veröffentlichte er mit "I Love Everybody" wieder ein neues Album.

Dieses Album, das eine Zusammenstellung von Songs darstellte, die Lovett in den spĂ€ten 70ern und frĂŒhen 80ern geschrieben hatte, setzte seine Abkehr vom Country fort. Es war die erste von ihm veröffentlichte Platte, mit der er sich kein neues Publikum erschließen konnte. Nachdem sie auf Platz 26 in die Charts eingestiegen war, verschwand sie bereits nach 13 Wochen und schaffte es nicht, mit Gold ausgezeichnet zu werden.

Lyle Lovett und Julia Roberts ließen sich im FrĂŒhjahr 1995 scheiden. Lovett zog sich etwas aus dem Scheinwerferlicht zurĂŒck und verbrachte den Rest des Jahres auf Tour und mit Schreiben. Mit "The Road to Ensenada", dem ersten Album seit "Pontiac", das wieder von Country-Songs dominiert war, meldete sich Lovett im Sommer 1996 zurĂŒck. "The Road to Ensenada" ging nicht nur in den Pop-Charts gut, wo das Album mit Platz 24 auf der höchsten Anfangsplatzierung seiner Karriere in die Charts einstieg, sondern war mit einem Einstieg auf Platz 4 auch in den Country-Charts ĂŒberaus erfolgreich. Das aus Coverversionen bestehende Doppelalbum "Step Inside This House" folgte 1998 und wartete in erster Linie mit weniger bekanntem Material einiger der Lieblingssongwriter von Lovett auf (von denen viele aus Texas stammten). 1999 veröffentlichte Lovett seinen ersten Konzertmitschnitt "Live in Texas", und sein Soundtrack zu dem Altman-Film "Dr. T & the Women" folgte ein Jahr spĂ€ter.

Nach dem Soundtrack "Dr. T & the Women" verließ Lovett MCA Nashville und unterschrieb einen Plattenvertrag bei Lost Highway Records, ein Joint Venture zwischen Mercury Records und Def Jam Records, die wie MCA Nashville zur Universal Music Group gehören. Sein erstes Album, "My Baby Don't Tolerate", unter dem neuen Label erschien 2003 und schaffte es bis auf Platz 7 in den Country Charts und bis auf Platz 63 in den Pop Charts.

  • Discografie

  • DVD

  • Charts (Album)

  • Charts (Single)

  • Film- und TV-Auftritte

Cover Jahr Album
Anmerkung

2012 Release Me (Lost Highway) CD-Besprechung

2009 Natural Forces (Curb) CD-Besprechung

2007 It's Not Big It's Large (Lost Highway) CD-Besprechung

2003 My Baby Don't Tolerate (Lost Highway)

2003 Smile: Songs From The Movies (MCA)

2001 Anthology, Vol. 1: Cowboy Man (MCA Nashville)

2000 Dr. T & the Women OST (MCA)

1999 Live In Texas (MCA)

1998 Step Inside This House (MCA) 1xGold(USA)

1996 The Road To Ensenada (MCA) 1xGold(USA)

1994 I Love Everybody (MCA) 1xGold(USA)

1992 Joshua Judges Ruth (MCA) 1xGold(USA)

1989 Lyle Lovett and His Large Band (MCA Nashville) 1xGold(USA)

1988 Pontiac (MCA Nashville) 1xGold(USA)

1986 Lyle Lovett (MCA Nashville)


Cover Jahr Album
Anmerkung

2007 Best Of Lyle Lovett Live (Curb Records)

2004 Soundstage: Lyle Lovett (Ufa)

1999 Charlie Rose with Willie Nelson; Lyle Lovett (Charlie Rose)


Jahr Album Chart
Höchste Platzierung
2007 It's Not Big It's Large Top Internet Albums
18
2007 It's Not Big It's Large Top Country Albums
2
2007 It's Not Big It's Large The Billboard 200
18
2004 My Baby Don't Tolerate Top Country Albums
7
2003 Smile: Songs From The Movies Top Internet Albums
136
2003 Smile: Songs From The Movies The Billboard 200
106
2003 My Baby Don't Tolerate Top Internet Albums
88
2003 My Baby Don't Tolerate The Billboard 200
63
2001 Anthology, Vol. 1: Cowboy Man The Billboard 200
195
2001 Anthology, Vol. 1: Cowboy Man Top Country Albums
26
1999 Live In Texas The Billboard 200
94
1999 Live In Texas Top Country Albums
7
1998 Step Inside This House The Billboard 200
55
1998 Step Inside This House Top Country Albums
9
1996 The Road To Ensenada The Billboard 200
24
1996 The Road To Ensenada Top Country Albums
4
1994 I Love Everybody The Billboard 200
26
1992 Joshua Judges Ruth The Billboard 200
57
1989 Lyle Lovett and His Large Band The Billboard 200
62
1989 Lyle Lovett and His Large Band Top Country Albums
10
1988 Pontiac The Billboard 200
117
1988 Pontiac Top Country Albums
12
1987 Lyle Lovett Top Country Albums
14

Jahr Single Chart
Höchste Platzierung
1997 Private Conversation Hot Country Singles & Tracks
72
1992 You ve Been So Good Up To Now Mainstream Rock Tracks
36
1989 I Married Her Just Because She Looks Like You Hot Country Singles & Tracks
45
1989 If I Were The Man You Wanted Hot Country Singles & Tracks
49
1988 I Loved You Yesterday Hot Country Singles & Tracks
24
1988 If I Had A Boat Hot Country Singles & Tracks
66
1988 She's No Lady Hot Country Singles & Tracks
17
1987 Cowboy Man Hot Country Singles & Tracks
10
1987 Give Back My Heart Hot Country Singles & Tracks
13
1987 God Will Hot Country Singles & Tracks
18
1987 Why I Don t Know Hot Country Singles & Tracks
15
1986 Farther Down The Line Hot Country Singles & Tracks
21

Jahr Rolle Film/Serie
2002 Disc Jockey Three Days of Rain
2002 Bear Harrison The New Guy
1999 Lenny Mad About You (TV series) - The Final Frontier
1999 - Penn & Teller's Sin City Spectacular (TV series) - Episode #1.23
1999 Manny Hood Cookie's Fortune
1998 Sheriff Carl Tippett The Opposite of Sex
1998 Road Person Fear and Loathing in Las Vegas
1997 Research Scientist Breast Men
1996 Wade Bastard Out of Carolina
1995 Lenny Mad About You (TV series) - Mad About You: Part 1
1995 Lenny Mad About You (TV series) - Mad About You: Part 2
1994 Clint Lammeraux PrĂȘt-Ă -Porter
1993 Andy Bitkower Short Cuts
1992 Detective DeLongpre The Player
1983 Singer at Beach Bill: On His Own (TV Movie)
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