Mit ihrer grenzenlosen Energie und einer Stimme, mit der man Häuser in Brand stecken kann, bekam Brenda Lee in den späten 1950er Jahren den Spitznamen "Little Miss Dynamite". Sie verkaufte Millionen von Alben und wurde ein internationalen Superstar - bevor sie überhaupt erwachsen war. Fünf Jahrzehnte später hat das kleine Energiebündel nichts von seiner Spritzigkeit verloren und beeinflusst eine ganz neue Generation im Rock- und Country-Geschäft. Zugunsten ihrer Familie schaltet sie beim Touren vielleicht einen Gang zurück (sie hat zwei Kinder und drei Enkelkinder), aber die Frau, von der John Lennon einmal sagte, dass "sie die größte Rock 'n' Roll-Stimme aller Künstler" hat, ist jetzt im sich stetig weiterentwickelnden Musikgeschäft ein angesehenes Vorbild für Frauen. Und sie wird nicht müde, sich für zahlreiche wohltätige Zwecke einzusetzen.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Brenda Lee Productions Im September 2006 verlieh die in Nashville ansässige Organisation SOURCE, eine Netzwerkorganisation, die Frauen im Musikgeschäft unterstützt, der 61-jährigen Sängerin in der neuen Musician's Hall of Fame den Jo Walker-Meador Lifetime Achievement Award, benannt nach der ersten weiblichen Geschäftsführerin von CMA. Von ihr und Überraschungsgast Garth Brooks wurde Brenda Lee der Preis auch verliehen.

"Brenda liefert ohne Zweifel schon sehr lange und kontinuierlich einen wertvollen Beitrag zur Musikindustrie im Allgemeinen und der Country-Musik im Besonderen, denn da hat sie ja schließlich auch ihre Karriere begonnen", so Jo Walker-Meador. "Als CMA gegründet wurde, dachte sich das Management, dass das Unternehmen mit Benefizkonzerten der Künstler unterstützt werden könnte und Brenda trat 1960 bei der zweiten Benefizshow von CMA in Fort Wayne, Indiana, auf. Sie ist ein alter Hase. Die Menschen mögen sie, und zwar nicht nur wegen ihres Talentes, sondern weil sie einfach Brenda ist."

"Ich war überwältigt, dass ich den Preis in der Musician's Hall of Fame entgegennehmen durfte, wo alle Jungs und Mädels verewigt sind, die mir und meiner Musik geholfen haben, bis zu diesem Punkt in meinem Leben zu kommen", meinte Brenda Lee. "Und dann wurde mir der Preis auch noch von Jo Walker-Meador und Garth Brooks überreicht, ich war total aufgeregt. Er folg extra für diese Veranstaltung ein und musste gleich wieder weg, weil er seine Kinder Freitag morgen zur Schule bringen musste. Als er auf die Bühne kam, konnte ich nur noch sagen "Ich liebe deine Frau!´ und er erwiderte "Ich auch!´"

Obwohl Garth Brooks Frau, die Sängerin Trisha Yearwood (die, wie Brenda Lee, aus Georgia kommt) in Pennsylvania auf Tour war und deshalb nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, rief sie ihren Mann an diesem Tag noch an, um ihn daran zu erinnern, auch ihre Glückwünsche zu überbringen.

Jetzt ist sie in der Rock and Roll Hall of Fame (gewählt 2002) und der Country Music Hall of Fame (gegründet 1997) verewigt, aber Brenda Mae Tarpleys Karriere begann schon im Alter von 5 Jahren, als sie für die Conyers (Georgia) Grade School einen Talentwettbewerb gewann. Kurz danach trat sie ein Jahr lang in einer Radioshow in Atlanta und später auch im regionalen Fernsehen auf. Im Mai 1953, als Brenda gerade 9 Jahre alt war, starb ihr Vater bei einem Arbeitsunfall. Zwei Jahre später heiratete ihre Mutter erneut und die Familie zog nach Cincinnati um. Im Februar 1956 kam die 11-jährige, die jetzt unter dem Künstlernamen Brenda Lee auftrat, zurück nach Georgia, wo sie in Augusta lebte und ihren großen Durchbruch hatte, als sie mit einem anderen Mitglied der zukünftigen Country Music Hall of Fame, Red Foley, zusammentraf, der damals Gastgeber des populären "Ozark Jubilee" Fernsehprogramms war.

Sie traf auch auf Dub Allbritten, Foleys Manager und derjenige, der auch ihre Karriere als Manager bis zu seinem Tod 1971 unterstützte. Das Treffen mit Red Foley führte zu einem Plattenvertrag mit Decca Records und Anfang 1957 hatte Brenda Lee ihren ersten Charterfolg mit "One Step at a Time", das bis auf Platz 43 in den Pop-Charts und Platz 15 in den Country-Charts kletterte. Obwohl es weitere 12 Jahre dauern sollte, bis Brenda Lee wieder in die Country-Charts zurückkehren würde, hatte sie ab 1960 eine Reihe von Pophits, darunter "Sweet Nothin´s" auf Platz 4 und den Nummer-Eins-Hit "I'm Sorry".

Der Erfolg riss in den nächsten sieben Jahren nicht ab und war begleitet von solch aufregenden Erlebnissen wie ein Treffen mit ihren Idolen Judy Garland und Elvis Presley, einem gemeinsamen Konzertplakat mit den Beatles, der jüngste Hauptact (mit 12 Jahren) in der Geschichte von Las Vegas zu sein und vor Königin Elizabeth II. bei einer Veranstaltung des Hofes aufzutreten.

Obwohl sie ein international anerkannter Superstar war, bevor sie 21 wurde, durfte sie Ronnie Shacklett, den jungen Mann, den sie 1963 heiraten würde, am Anfang nur zu viert treffen, ehe sie ihr richtiges "erstes Date alleine im Auto" mit ihm hatte. Brenda Lee unterbrach ihre Arbeit, um mit den beiden Töchtern des Paares zu Hause zu bleiben, als Julie 1964 und Jolie 1969 geboren wurden, setzte aber ihre Vollzeit-Musikkarriere 1973 mit "Nobody Wins" fort, der ersten von sechs aufeinander folgenden Top 10 Country-Singles.

Julie ist inzwischen Schriftstellerin und arbeitet gerade an ihrem dritten Buch. Sie war zusammen mit ihrer Mutter und dem Journalisten Robert K. Oermann Co-Autorin von Brenda Lees Autobiographie "Little Miss Dynamite", die 2002 erschien. Die jüngere Tochter Jolie arbeitet im Strafrechtssystem in Tennessee.

Brenda Lee lässt es heutzutage mit dem Touren ruhiger angehen, um mehr Zeit mit ihren drei Enkelkindern verbringen zu können, aber sie tritt immer noch bei ungefähr 25 Veranstaltungen im Jahr auf - viel weniger als im Vergleich zu den mehr als 100 Shows der vergangenen Jahre. Die liebende Großmutter sagt über den 18-jährigen Taylor, dass er "fließend Französisch spricht und brillant in Mathe ist", während der 10-jährige Jordan ein "sehr guter Künstler ist". Enkelsohn Charlie ist "ein 4-jähriger, der einfach nur süß ist. Er trägt Musik in sich."

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Es spricht Bände für ihren Einfluss und die Wertschätzung, die ihr von ihren Musikerkollegen entgegengebracht wird, dass Brenda Lee am 10. April ihr erstes Gospelalbum veröffentlichte. Das Album "Gospel Duets with Treasured Friends" ist eine einzigartige, akustische Kollektion von Duetten mit sehr berühmten Partnern: den Mitstreitern aus der Country Music Hall of Fame George Jones ("Have a Little Talk with Jesus") und Dolly Parton ("This Old House"), weiterhin Kix Brooks von Brooks & Dunn ("Swing Low, Sweet Chariot"), Charlie Daniels ("This Little Light of Mine"), Ronnie Dunn von Brooks & Dunn ("Where Could I Go But to the Lord"), Vince Gill ("I Saw the Light"), Emmylou Harris ("Jesus Loves Me"), Alison Krauss ("In The Garden"), Martina McBride ("Uncloudy Day"), Delbert McClinton, Pam Tillis ("Precious Memories"), Trisha Yearwood und Rocker Huey Lewis ("Oh! Happy Day").

Brenda Lee, die ihren ersten Gospelauftritt mit 5 zusammen mit dem Master Worker's Quartet aus Georgia hatte, sagte: "Wenn man eine arme Tochter aus dem Süden ist, geht man für die sozialen Aktivitäten in die Kirche, denn da ist alles kostenlos. Wann immer die Türen offen standen, waren wir da. Als Kind war das einfach tief in mir verwurzelt."

Durch die Koordination aller Termine dauerte es fast zwei Jahre, bis das Album endlich fertig war. Brenda Lee beschreibt das daraus resultierende Projekt als eine "peppige, fröhliche Angelegenheit". Auch andere Dinge machen Brenda Lee in ihrem viel beschäftigten Leben glücklich, wie z.B. die Tätigkeit als Aufsichtsratmitglied in Organisationen wie Habitat for Humanity und die National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS). Darüber hinaus vergibt sie pro Jahr vier Stipendien an zwei Universitäten in Nashville und vermittelt etwas von der Weisheit, die sie von einem der wichtigsten Männer für ihren Erfolg gelernt hat, dem Produzenten Owen Bradley.

"Er sagte mir immer zwei Dinge: "Versuche niemals mit anderen zu konkurrieren´; und "Du musst nicht der Zugführer sein, es reicht, wenn du im Zug bist´. Ich war jetzt für eine sehr lange Zeit in diesem Zug und dafür bin ich wirklich überaus dankbar. Ich sehe in unserem Entertainment-Geschäft jeden Tag mehr starke Frauen als jemals zuvor, vor allem in den letzten Jahren. Und es macht mich immer glücklich, wenn Frauen Erfolg haben, denn ungeachtet aller Kommentare haben es Frauen in dieser Stadt immer noch schwerer, den Durchbruch zu schaffen, als Männer. Wenn die Tür einmal von anderen vor uns einen Spalt weit geöffnet wurde, ist es ein bisschen leichter durch den Spalt hinein zu schlüpfen. Ich hoffe, dass die jungen Künstler, die jetzt kommen - und ich gehörte auch einmal zu diesen jungen Künstlern - ich hoffe, dass sie eine Leidenschaft und eine Liebe für das entwickeln, was sie tun. Das Geschäft ist schon hart genug, wenn man liebt, was man tut. Für jedes Geschäft gilt aber gleichermaßen, dass es noch viel härter ist, wenn man nicht mit Leidenschaft bei der Sache ist."